Kultur : Die Flick Collection kommt nach Berlin: aber nur auf Zeit

NAME

Die Kunstsammlung des Schweizer Multimillionärs Friedrich Christian Flick kommt zumindest temporär nach Berlin. Wie die Staatlichen Museen bestätigten, verhandelt Museumschef Peter-Klaus Schuster mit Flick darüber, die Sammlung zeitweise in Berlin zu zeigen. Sie soll in einer Speditionshalle neben dem Hamburger Bahnhof, dem Museum für Gegenwartskunst, zu sehen sein. Langfristig solle die Sammlung allerdings nach New York gehen, bestätigten Mitarbeiter der „Flick-Collection“ in Zürich gegenüber dem Tagesspiegel. Es sei geplant, wertvolle Teile der Sammlung als Dauerleihgabe an die Dia Art Foundation nach New York zu geben. An diesen Plänen habe sich durch die Berliner Verhandlungen nichts geändert.

Die „Flick Collection“ umfasst rund 2500 Werke zeitgenössischer Kunst, darunter Gemälde von Duchamp, Schwitters und Mondrian, Richter und Polke, Fotografien von Ruff und Gurski, Plastiken von Serra und Judd, Installationen von Jason Rhoades und Bruce Nauman. Im Frühjahr 2001 hatte es heftigen Streit gegeben, als Flick in Zürich ein Museum für seine Sammlung plante. Eine Gruppe von Schriftstellern und Theaterleuten hatte gegen die Museumspläne protestiert. Hintergrund war die Weigerung der Flick-Familie, Geld in den Fonds für Zwangsarbeiter einzuzahlen. Firmengründer Friedrich Flick hatte als Hitlers wichtigster Waffenlieferant im Krieg über 40 000 Zwangsarbeiter beschäftigt. Von „Kompensationsgeschäften“, „privater Ablasswährung“ und „Blutgeld“ war in der erbitterten Diskussion die Rede. Flick-Enkel Friedrich Christian hingegen hatte sich heftig gegen die Unterstellung gewehrt, seine Sammlung sei mit Geldern aufgebaut, die auf den Kriegsgewinnen seines Großvaters beruhten. Der an ihn weitervererbte Anteil beruhe auf den Gewinnen der 50er Jahre. Friedrich Flick war nach kurzer Gefängnisstrafe von den Alliierten frei gelassen worden und hatte in den 50er Jahren eine beispiellose Firmenkarriere absolviert.

Als Konsequenz aus dem Streit hatte Flick eine für 2002 in München geplante Ausstellung abgesagt und im September 2001 in Potsdam eine „Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz“ gegründet. Mit der Entscheidung, die Sammlung in Berlin zu zeigen, dürfte die Diskussion erneut aufflammen. til

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben