Kultur : Die Formenlehre der Norddeutschen Backsteingotik im Reprint

bern

Am Märkischen Museum prangen zierliche, durchbrochene Formsteingiebel, wie man sie in Brandenburg/ Havel oder in Tangermünde findet. Auch an vielen Kirchen des 19. Jahrhunderts in Berlin und in Brandenburg erinnert man sich, vor den Türmen oder Choranlagen stehend: Dies und jenes Motiv haste doch schon mal gesehen - aber wo? Ein stark verkleinertes, nun handliches Reprint eines einst prachtvoll breit und hoch angelegten Foliobandes von Fritz Gottlob erleichtert jetzt die Suche nach den Vorbildern. 1901 erschien er erstmals, erlebte schon 1906 eine zweite Auflage, um dann aber vergessen zu werden.

Eine Fundgrube für Formenvergleiche, denn Gottlob wollte für seine Kollegen ein Handbuch schaffen, damit diese die alten Details korrekt in ihren neuen Bauten einsetzten. Gottlob selbst war da durchaus ein Vorbild, mit seinen architektonischen Phantasiezeichnungen und den eigenen Bauten zeigte er, wie mit gotischen Details zeitgemäße Architektur entstehen konnte. Mit dem ausführlichen Nachwort des jungen Berliner Architekturhistorikers Markus Jager wird der Architekt der nun Vergessenheit entrissen.

Gottlob gehörte nicht zu den Großen des Berliner Baugeschehens der Kaiserzeit, war aber in seinem Schaffen durchaus charakteristisch und schwang sich kurz vor dem Ersten Weltkrieg sogar zu eigener Monumentalität mit dem Bau der Neuköllner Phillip-Melanchton-Kirche auf, die gotisch nur noch im aufstrebenden Charakter, nicht in den Formen ist. Gottlob, der noch im neuesten Berliner Kircheninventar auch mit Gotthold bezeichnet wird, schuf mit diesem Buch den Begriff der "norddeutschen Backsteingotik", der inzwischen zur Sprache der Architekturgeschichte gehört. Schon deswegen ist dieser schmale Band lesenswert.Markus Jager (Hrsg): Fritz Gottlob - Formenlehre der Norddeutschen Backsteingotik. Kiel 1999. 160 Seiten, 48 DM.

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