Kultur : Die Freunde und Förderer von der Julius-Lessing-Gesellschaft

Elfi Kreis

Es war einmal, im Februar 1988: die Julius-Lessing-Gesellschaft wird gegründet. Märchen beginnen so. Für das Kunstgewerbemuseum folgt ein Kapitel, das erfreulich handfeste Realität ist. Auch wenn es klingt, wie die moderne Version des Märchens von der guten Fee. In Feenkreisen aber gilt, dass jeder nur drei Wünsche frei hat.

Die Wunschliste des Museums in den letzten zwölf Jahre war weit weniger bescheiden. Jede Fee hätte Beschwerde eingelegt, wäre womöglich in den Zauberstreik getreten. Der Förderverein hingegen zückt mit schönster Regelmäßigkeit das Scheckbuch, lässt einmal mehr den Hut herumgehen und sammelt Sonderspenden. Als der Ankaufsetat des Hauses in den neunziger Jahren beständig schmolz und von 1996 bis 1998 bei Null einfror, sprang er in die Bresche. Marcel Breuers organische Liege aus Birkenformholz von 1935/36 war einer der herausragenden Ankäufe dieser Jahre ohne Erwerbsetat. Der Verein sorgt für Werbung, Publikationen, Kataloge und ermöglichte Restaurierungen. Seine rund achtzig Mitglieder leisten Erstaunliches. Das Museum verdankt dem Verein zahlreiche Sonderausstellungen. Kurzfristige Übernahmen bei Haushaltszwängen mit zwei Jahren Vorplanung? Ohne die Finanzspritzen des Förderverein wäre das unmöglich.

Das Museum hat mehr als einen guten Grund, mit einer Sonderschau "12 Jahre Freunde und Förderer des Kunstgewerbemuseums" zu feiern. Genau genommen, sind es mehr als sechzig, die sich sehen lassen können: alle Neuerwerbungen aus Mitteln der Julius-Lessing-Gesellschaft. Von Paul Scheurichs Meißener Porzellanfigur der "Europa" bis zum bunten Designersofa "Confetti" aus recyceltem Kunststoff führt der Reigen kostbarer Präsente durch alle Stilepochen und Genres. Den bislang spektakulärsten Ankauf bildet ein fränkischer Prunkspiegel im Régencestil. Er konnte 1995 für 200 000 Mark erworben und mit ihm eine augenfällige Lücke geschlossen werden. Denn was ist ein Spiegelkabinett ohne Spiegel? Sei es noch so kunstvoll mit edlen Hölzern getäfelt wie das aus dem Schönbornschloß Wiesentheid bei Würzburg.

Ein Jahrzehnt fehlte der Stirnwand der eigentliche Blickfang. Dann tauchte im Pariser Kunsthandel ein perfekt passender Spiegel von 1720 mit prächtig geschnitzten Voluten und silbernem Rankenwerk auf. Die Chance der idealen Ergänzung war ein besonderer Glücksfall. Der Förderverein erfüllte das Bittgesuch und gab dem kostbaren Spiegelkabinett nach der Mode von Versailles seinen letzten Schliff.

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul? Für die Schenkungen und Dauerleihgaben gilt dies nicht. Ganz nach Wunsch des Hauses werden gezielt Sammlungslücken geschlossenen. Ein reichverzierter Barocktisch mit Marmorstuck ersetzte für die Themenschau "Papiermaché und Marmorstuck" im Krieg verlorene Bespiele dieser Technik. Die weißen Akanthusblätter seiner Platten kann man ab 2002 wieder im Köpenicker Schloß mit den dreidimensionalen der Stuckdecke vergleichen. Nach dessen Wiedereröffnung als Museum der Raumkunst des 16. bis 18. Jahrhunderts. Werke der 50er Jahre, des Klassizismus und Historismus kamen ins Haus. Als fehlende Vergleichsobjekte regulär angekauft wurde ein Déjeuner der um 1800 für seine Porzellanmalerei berühmten Wiener Manufaktur. Für das zugehörige Tablett, das Orpheus in der Unterwelt nach einer Vorlage von Angelica Kauffmann zeigt, reichten die Mittel nicht mehr. Dank einer Extraspende ist das Service nun komplett.

Besonders die Neue Sammlung an Designobjekten profitiert vom Engagement. Arbeiten von Charles Eames, Shiro Kuramata, Sebastiano Mattà sowie ein achtteiliges Möbelensemble der Gruppe Memphis bewirkten einen aktuellen Qualitätssprung. Direktorin Mundt: "Ein Museum, das lebendig bleiben soll, muß nach vorn in die Gegenwart sammeln". Um solch zeitnahe missing links entbrannte im Förderverein manch kontrovers geführte Debatte. Bei der Jahresversammlung lud Barbara Mundt Skeptiker zum Probesitzen auf den begehrten Wellpappenstuhl ein, dessen geschwungene S-Kurven wie Sprungfedern wirken. Das befürchtete Schleudertrauma blieb aus. Danach war der Ankauf von Frank Gehrys "Wiggle Side Chair" perfekt.Kunstgewerbemuseum, Kulturforum, Matthäikirchplatz, bis 30. April. Katalog 20 DM.

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