Kultur : Die Frühlingsbotin

Mit tausenden Blumen bietet die Berlinale dem Winter Paroli

-

Gabriele Wagner

BERLINALE–FLORISTIN

Mein Job ist eine ungeheuere organisatorische Aufgabe, denn er hat mit Pflanzen zu tun und die wollen nicht immer so, wie wir. Ich mache die gesamte Blumendekoration auf der Berlinale, bin sozusagen die Festival-Floristin. Mein Team und ich verarbeiten mehrere Zehntausend Blumen. Allein 12 000 Tulpen haben wir schon zu Sträußen gebunden oder in die Dekorationen eingearbeitet.

Wir sind außerdem für die Tischdekorationen zuständig und binden die Sträuße, die auf der Bühne überreicht werden und die Empfangssträuße für den Flughafen. Jeder weibliche Gast der Berlinale wird ja mit einem Strauß empfangen, was es auf keinem anderen Festival gibt. Rund 400 Sträuße von mini bis groß kommen da schon zusammen. Die Standardsträuße, die Dieter Kosslick ausgesucht hat, bestehen aus bunten Anemonen. Seine Spezialgäste bekommen aber Traubenhyazinthen, das sind Kosslicks Lieblingsblumen.

Das Erscheinungsbild der diesjährigen Berlinale soll frühlingshaft sein; passend dazu haben wir die Blumen ausgesucht. Wir wollten dem Winter einfach mal farblich Paroli bieten. Mein Tag beginnt um drei Uhr morgens, wenn ich beginne, die Bestellungen zu sortieren, die am Vorabend hereingeflattert sind. Daraufhin nehme ich Kontakt zu meinem Händler auf. Die Blumen kommen meist frisch aus Südamerika oder den Niederlanden. Mehrere Stunden lang sind mein Team und ich dann mit dem Binden der Sträuße beschäftigt. Am roten Teppich haben wir uns ein besonderes Konzept überlegt: Rechts und links des Ganges haben wir Brandenburger Cornuszweige zu stilisierten Bäumchen zusammengebunden. Dann haben wir bunte französische Tulpen hineingesteckt. Der rote Teppich sollte wie eine Allee aussehen. Leider bekommt den Tulpen die große Hitze nicht, die von den Scheinwerfern kommt. Deshalb sind wir täglich mehrmals auf dem roten Teppich, um sie zu besprühen und neu herzurichten.

Ich glaube, mein Team und ich verbringen neben Dieter Kosslick am meisten Zeit auf dem roten Teppich. Wenn wir Blumen von der Dekoration übrig haben, verteilen wir sie in den Berlinale-Büros, dann freuen sich die Mitarbeiter. So fröhlich wie die Blumen, ist dieses Jahr auch das Festival, finde ich.

Aufgeschrieben von Philipp Lichterbeck

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben