Kultur : Die Geburt der Musik aus dem Geist der Angst Horror: Lars von Trier sagt Bayreuth ab

Christiane Peitz

„Menschen, die Angst im Dunkeln haben, können bessere Horrorfilme drehen“, sagte Lars von Trier einmal. Der dänische Regisseur ist ein Meister der Angst. Seine Flugangst zum Beispiel lässt ihn mit dem Wohnmobil nach Cannes reisen; der nächste Teil seiner Amerika-Trilogie spielt zwar in den Südstaaten, wird aber mangels Landverbindung in Dänemark gedreht. Berühmter sind seine Bilder der Angst: die Düsternis eines Kinos, das in die Abgründe von Gewalt, Wahnsinn, Krieg und Familienterror blickt. Ob Dogma, Musical, TV-Serie oder Theaterexperiment: In seinen Werken lauert etwas sehr Deutsches. Nicht zufällig erzählen seine ersten Filme, „Bilder der Befreiung“ und „Element of Crime“, von deutschen Tätern, deutschen Opfern. Seitdem strickt er Mythen des Unbewussten. Die Helden: Dancers in the Dark.

Deshalb war es eine großartige Nachricht, dass Lars von Trier 2006 in Bayreuth den „Ring“ inszenieren würde. Der Gefühlskraftwerker sollte dem WagnerHügel die überfällige Erneuerung bringen, neben Schlingensiefs „Parsifal“ 2005. Und deshalb ist es eine tieftraurige Nachricht, wenn der 48-jährige Quereinsteiger mitteilen lässt, „dass die Dimensionen und Anforderungen dieser ,Ring’-Version, realistisch betrachtet, seine Kräfte übersteigen würden“. Realismus? Im Götter-Olymp?

Nun wird spekuliert. Dass die jüngeren RegieStars und der altbackene Wagner-Tanker nicht zusammenpassen: Willy Decker und Martin Kusej hatten dem Bayreuth-Patriarchen Wolfgang Wagner ja ebenfalls Absagen erteilt. Und dass von Triers eigener Trilogie-Zeitplan ins Trudeln geraten ist: Erst sagte Nicole Kidman für Teil 2 („Manderlay“) und Teil 3 („Washington“) ab, jetzt zeigte ihm John C. Reilly die rote Karte. Auf dem Set wurde ein Esel getötet, das hat Reilly empört. Vielleicht fürchtet Lars von Trier ja Ärger um dem Drachentöter Siegfried ...

Nein. Es geht nicht um Spaßkultur, nicht um die Modeerscheinung, Filmemacher wie Doris Dörrie, Bernd Eichinger oder Volker Schlöndorff für die Oper zu verpflichten. Denn in „Dogville“ konnte man sehen, wie Lars von Trier mit den Mitteln des Theaters das Kino neu erfand und uns das Erschrecken über uns selbst lehrte, indem er die Künste entrümpelte. Das Aufregende an Lars von Trier ist seine Ernsthaftigkeit. Seine Angst. Die Bühne bleibt dunkel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben