Kultur : Die Gefahr lauert überall

Der Neue Berliner Kunstverein spürt Verschwörungstheorien nach

Ulrich Clewing

Warum sind Verschwörungstheorien nur so unglaublich erfolgreich? Ein Grund liegt sicher darin, dass sie kaum wirksam zu entkräften sind. Denn für den Anhänger einer Verschwörungstheorie ist jedes Gegenargument natürlich Teil der Verschwörung selbst. Ergo lauert sie überall: die Gefahr von dunklen Machenschaften, verborgenen Netzwerken, Botschaften, Bedeutungen und finsteren Zusammenhängen, die streng genommen nur ein einziges Ziel haben – unentdeckt die Weltherrschaft auszuüben oder wenigstens ein paar lukrative, aber bedauerlicherweise allgemein ziemlich verbotene Geschäfte durchzuziehen. Kurzum, es ist ein schönes, weil tendenziell schön spinnertes Thema, dem sich die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst da in ihrer Ausstellung „World Watchers“ mit Arbeiten von 14 Künstlern widmet .

Ein Feld, auf dem Verschwörungstheorien besonders gut gedeihen, ist die Pop-Musik. Worüber haben sich Fans und Gegner dort nicht schon alles den Kopf zerbrochen: über versteckte Mitteilungen beim „Rückwärts“-Abspielen von Platten, im Zeitalter der CD nicht mehr so brisant; über verhinderte Karrieren und vereitelte Pläne wie den, den die Amerikanerin Julie Becker ironisch zitiert: Ursprünglich war angeblich Pink Floyds Album „Dark Side of the Moon“ als Soundtrak für den Film „The Wizzard of Oz“ vorgesehen. Dass es nicht dazu kam, ist das eine. Das andere ist, dass seither Generationen von Jugendlichen Platte und Film gleichzeitig ablaufen lassen, um Hinweise auf diesen schockierenden Vorgang zu finden.

Weniger ironisch ist der Ansatz von Mark Lombardi, ebenfalls aus den USA, sozusagen der Homebase der Verschwörungstheorie: Er hat alle möglichen und vor allem unmöglichen Zusammenhänge von Politik und Wirtschaftskriminalität in einem großen Diagramm skizziert, was sehr ästhetisch aussieht, aber man kann in seinem eigenen Interesse nur hoffen, dass Lombardi nicht an seine Recherchen glaubt.

NGBK, Oranienstraße 25, bis 15. Februar.

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