Kultur : Die Gerd Show

Diese Woche auf Platz 66 mit: „Schri-Schra-Schrödi“

Ralph Geisenhanslüke

Suchte man einen Soundtrack zur schlechten Laune im Lande, wären die CDs von Elmar Brandt erste Wahl. Seine Texte funktionieren immer nach demselben Stammtisch-Schema: Selbstgefällige Politiker versus ohnmächtiger kleiner Mann. Damit hat der Stimmenimitator aus Düsseldorf den Deutschen bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, der missgünstigen Selbstindoktrination, unverzichtbare Dienste geleistet.

Hunderte Ausgaben seiner „Gerd Show“, drei Millionen verkaufte Tonträger und unzählige Auszeichnungen werden nichts daran ändern, dass Elmar Brandt sich wohl bald etwas Neues ausdenken muss. Denn das Thema Schröder ist ausgemolken, am meisten von Schröder selbst. Und siehe da: Hielt sich Brandts „Steuersong“ 2003 noch wochenlang in den Top 10, so ist „Schri-Schra- Schrödi“ nach wenigen Wochen in den unteren Regionen der Single-Charts angekommen. Dort, wo man jeden Käufer einzeln per Handschlag begrüßen kann. Ein ähnlicher Erfolg ist übrigens auch Brandts Produzent Peter Burtz mit dem knarzlangweiligen „Wir sind Papst“ (Platz 77) beschieden. Damit wir uns richtig verstehen: Nervtötend ist nicht die Tatsache, dass Leute wie Brandt ihre Späße über die Mächtigen treiben, sondern, dass sie es mit derart stumpfen Zähnen tun.

„Schri-Schra-Schrödi“ heftet sich ohne großen intellektuellen Aufwand an den Erfolg von „Schnappi“, dem kleinen Krokodil. Kulturpessimisten mögen der Frage nachgehen, ob politische Satire mittels eines Kinderliedes ein weiterer Beleg für die zunehmende Infantilisierung der Gesellschaft ist – oder doch nur ein Beleg dafür, dass den Produzenten der nötige Biss fehlt. Kinder selbst finden Brandts Knittelverse nicht zwingend witzig. Auf der Homepage der „Gerd Show“ hat ein Zwölfjähriger ins Gästebuch geschrieben, er zähle Brandt und seine Fans „zu den Leuten, die unser Land kaputt machen“. Ein Regierungswechsel hätte jedenfalls mindestens eine positive Seite: Frauenstimmen kriegt Brandt nicht so gut hin.

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