Kultur : Die gewendete Zeit

Das Jahrbuch 2008/2009 der Preußen-Stiftung

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Ein Jahr der Höhepunkte und Zäsuren: So hat sich die Saison 2008/2009 in die Annalen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eingraviert, so dokumentiert es ihr Jahrbuch. Die Fertigstellung und Eröffnung des Neuen Museums im Herbst 2009 beendete eine lange Baugeschichte, die von den Anstrengungen der Auseinandersetzung mit Krieg und Nachkrieg geprägt war. Der Personalwechsel bei den beiden bedeutendsten Ämtern der Stiftung provozierte den enthusiastischen Ausruf: „Welch ein Tag! Welch ein Ort! Welch ein Anlass!“ Er stammt von Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, anlässlich des Abschieds von Klaus-Dieter Lehmann als Stiftungspräsident und der Übernahme durch Hermann Parzinger. Kulturstaatsminister Bernd Neumann zitierte ihn bald darauf – bei Schusters Verabschiedung und der Amtseinführung von dessen Nachfolgern Michael Eissenhauer und Udo Kittelmann.

Das Jahrbuch dokumentiert die Reden und versammelt Aufsätze, zugleich zieht der Stiftungspräsident eine eindrucksvolle Bilanz. Es gab bedeutende Ausstellungen wie „Babylon. Mythen und Wahrheiten“ im Pergamonmuseum, ein Beispiel der Nutzung der eigenen Bestände und der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. Es gab Überraschungserfolge wie die erstmalige Präsentation der Privatsammlung Heiner und Ulla Pietzsch in der Neuen Nationalgalerie. Wichtige Zugewinne brachten der Einzug der Sammlung Scharf Gerstenberg in den östlichen Stülerbau sowie die Schenkung von 166 zeitgenössischen Werken durch den Sammler Friedrich Christian Flick. Die Stiftung brachte sich verstärkt in die Debatten über das Humboldtforum ein, nachdem der Italiener Franco Stella den Wettbewerb um die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses gewonnen hatte.

Die Beiträge spiegeln das Leben der Stiftung. Die Tagung über die NS-Raubkunst bezeugt die fortdauernde Aktualität eines heiklen Themas; der Aufsatz von Tagesspiegel-Redakteur Bernhard Schulz ruft „40 Jahre Neue Nationalgalerie“ ins Bewusstsein; der Nachruf des ehemaligen Generaldirektors Wolf Dieter Dube auf Gisela Holan erinnert an die langjährige Baureferentin der Stiftung. Sie hat die Wiedereröffnung des Neuen Museums, auf die sie so lange hinarbeitete, nicht mehr erlebt. Hermann Rudolph

Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, Bd. XLV, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2010, 620 S. , 35 €

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