Kultur : "Die Glut": Hellmuth Karasek über die Wiederentdeckung des Romans von Sandor Marai

Sandor Marai: "Die Glut"[Roman. Aus dem Ungarisch]

Scheinbar ist das Thema des Romans "Die Glut" von Sandor Marai (1942 erstmals in Ungarn erschienen und im letzten Jahr für deutsche Leser wiederentdeckt, als Bestseller wiedererstanden) das Privateste aller nur möglichen Themen: die Geschichte einer Freundschaft zweier Kadetten, die Offiziere werden. Der eine ist begütert und reich, stammt aus einer festen aristokratischen Ordnung, der andere muss sich den Weg in den Offiziersstand erkämpfen, seine Eltern müssen dafür entbehrungsvoll leben. Doch die Unzertrennlichen trennt eine Frau, die große Liebe des einen, der sie heiratet; die große Liebe des andern, mit dem sie ihren Mann betrügt und der sogar auf der Jagd einen Mord an seinem Freund erwägt, um dann aus dem alten Österreich-Ungarn in die Tropen zu fliehen.

Als er nach 41 Jahren zurückkommt, die beiden sind alt geworden und einsam geblieben, kommt die Wahrheit in einer großen Aussprache - eigentlich im Monolog des zum General avancierten Aristokraten - an den Tag. Wirklich? Oder wird sie in unlösbaren Fragen nach Freundschaft, Liebe, Treue, Verrat zugeschüttet, verbrannt wie das Tagebuch der verstorbenen Frau, das sie ungelesen in die flackernde Glut des Kamins werfen? Privat?

Der Roman spiegelt in einer Geschichte vom starren Festhalten an einer Ordnung, die zerbricht, das "Schicksal" der 1918 zerbrochenen Donaumonarchie. Wie "aktuell" der Roman ist, hat die "Zeit" kürzlich dokumentiert: indem sie anhand der "Glut" den heutigen Wert von Freundschaft in Zeiten zerbrechender Ehen reflektierte.

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