Kultur : Die Größe des Alters

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über

Neugier und andere Musikertugenden

Das Sonny Rollins Konzert bei den JazzNights war ja nicht unbedingt das, was man sich gewünscht hätte. Das lag vor allem am fragwürdigen Zustand von Saal-Akustik und Band. Wozu hat Sonny Rollins überhaupt eine Band, kann man fragen, wenn es letztlich nur um seinen Ego-Trip geht? Jedenfalls kam so der Kontrast zwischen Genie und Mittelmaß richtig zur Wirkung. Alles was man sonst über die Wichtigkeit von Band- und Kommunikationsstrukturen im Jazz hört, ist bei Rollins einfach nicht vorhanden.

Ganz anders bei Dave Brubeck . Er steht als nächstes auf der JazzNights-Liste, und zwar morgen um 20 Uhr in der Philharmonie . Auch er hat Jazzgeschichte geschrieben, und es vergeht kein Konzert ohne seinen Hit „Take Five". Dabei hält Brubeck eigentlich nicht viel davon, die alten Stücke immer und immer wieder zu spielen. Der 81-jährige Pianist ist neugierig geblieben, auch nach über 50 Bühnenjahren geht es Brubeck immer noch darum, neue Sachen auszuprobieren. Von seiner Aufnahme „Time Out“ konnte der Pianist ja als erster Jazzmusiker überhaupt über eine Million Platten verkaufen. Mit zahlreichen Kompositionen, darunter auch Messen und sinfonischen Werken, hat sich Brubeck auch besonders dafür eingesetzt, dass der Jazz als klassische Musik des 20. Jahrhundert anerkannt wurde. Und mit dem Saxofonisten Bobby Militello, Michael Moore, Bass, und Randy Jones, Schlagzeug, hat er heute eine Band, die weit über dem Durchschnitt liegt. Das Brubeck Konzert in der Philharmonie ist der abschließende Höhepunkt seiner JazzNights-Konzerte. In der Frankfurter Alten Oper spielte er vor drei Wochen vor allem neue Kompositionen - Brubeck promoted zurzeit nicht nur seine aktuelle CD „The Crossing", sondern auch schon die demnächst erscheinende CD - und eine 15-minütige Version von „Take Five", die an Power und Spontaneität das Gedudel so vieler anderer Jazz-Rentner zurück auf die kleinen Bühnen verweist. Eine Kostprobe davon, dass die Qualität von Live-Jazz nicht wirklich proportional zum Alter der Akteure steigt, gab erst kürzlich das Berliner JazzFest.

Auch beim Saxofonisten Joe Lovano wird musikalische Kommunikation und Interaktion ganz groß geschrieben. Zusammen mit dem Bassisten Ed Schuller ist Lovano am Freitag im Soultrane (22 Uhr). Unklar bleibt noch, wie es mit dem neuen JazzNights-Spielort Stilwerk weitergeht. Anders als beim Tempodrom räumt man hier schon mal ein, dass die Akustik für den Jazz wohl nicht so recht geeignet ist. Mag auch sein, dass der erste Run auf die Karten geringer ausfiel, als erwartet. Also findet das JazzNights-Konzert mit der Terence Blanchard Band und dem Nils Landgren Quartett plus Strings nun im Soultrane statt (Sonnabend, 21 Uhr). Der erkrankte Trompeter Terence Blanchard wird von Till Brönner vertreten, und der Super-JazzFest-Leiter von 2001, Nils Landgren , spielt Posaune und singt Balladen.

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