Kultur : Die Hamburg-Connection

Kontinuität und Erneuerung: Ulrich Khuon wird Intendant des Deutschen Theaters Berlin

Rüdiger Schaper

Befreundet sind die beiden Bühnen, befreundet auch die Intendanten. Und nun folgt der Eine dem Anderen nach. Ulrich Khuon, Leiter des Hamburger Thalia Theaters, wird Intendant des Deutschen Theaters Berlin. Für heute Mittag, 13 Uhr, ist eine Pressekonferenz im DT angekündigt, mit dem für Kultur zuständigen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, seinem Kulturstaatssekretär André Schmitz und dem DT-Intendanten Bernd Wilms. Es ist die erste große Personalentscheidung des Regierenden Kulturmeisters. Eine sehr gute und auch sehr schnelle.

Damit ist Thomas Oberender, der künftige Salzburger Schauspieldirektor, für Berlin aus dem Rennen. Mit ihm hatte der frühere Kultursenator Thomas Flierl noch wenige Tage vor seinem Ausscheiden im November in einer Nacht- und Nebelaktion einen Vorvertrag ausgehandelt; die Angelegenheit schlug hohe Wellen. Doch Wowereit und Schmitz haben eigene Ideen für das Deutsche Theater.

Khuon, 1951 in Stuttgart geboren, ist seit der Spielzeit 2000/01 Intendant des Thalia Theaters – und dort anhaltend erfolgreich. Zuvor hatte er das Niedersächsische Staatsschauspiel Hannover geleitet. Khuons Qualitäten liegen auf der Hand: Er versteht sich auf die Ensemblepflege, und er hat Regisseure wie Armin Petras (seit Beginn dieser Spielzeit Intendant am Maxim Gorki Theater Berlin) und Michael Thalheimer mit aufgebaut.

Hier liegt auch der Schlüssel für Khuons Engagement ans Deutsche Theater. Intendant Bernd Wilms, der noch bis 2008 einen Vertrag hat und danach aufhören will, ist es in den vergangenen Jahren gelungen, aus Schauspielern und festen Regisseuren eine künstlerische Einheit zu formen. Man darf davon ausgehen, dass Michael Thalheimer auch unter einem Intendanten Khuon in Zukunft am DT eine maßgebliche Rolle spielen wird.

Entscheidende Mitglieder des Ensembles hatten sich in einem Offenen Brief für Thalheimer ausgesprochen – und damit gegen Oberender, als dessen ominöser Vorvertrag bekannt wurde. Thalheimer, der dem Deutschen Theater die größten Erfolge der Wilms-Intendanz beschert hat („Emilia Galotti“, „Faust“), spielte in Oberenders Überlegungen für das DT keine Rolle; die beiden gelten als wenig kompatibel. Es kann auch damit gerechnet werden, dass Regisseure wie Barbara Frey, Dimiter Gotscheff und Jürgen Gosch nun dem Deutschen Theater erhalten bleiben.

So könnte eine doppelte Erfolgsstory zu einem guten Ende kommen, in Berlin. Wilms und Khuon stehen mit ihren Bühnen auf der Sonnenseite. Mit 273 000 Besuchern hatte das Thalia Theater im vergangenen Jahr mit die höchste Zuschauerzahl aller deutschen Bühnen, und mit 87 Prozent fiel die Platzauslastung des DeutschenTheaters herausragend aus .

Man hat Ulrich Khuon zuletzt immer mal wieder am DT gesehen – sein Sohn Alexander Khuon ist seit 2004 Ensemblemitglied in der Schumannstraße und gehört dort zu den bemerkenswerten jungen Schauspielern des Hauses, etwa in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ mit Corinna Harfouch und Ulrich Matthes.

Mit der Entscheidung für den Mann aus Hamburg beweisen Wowereit und Schmitz Weitsicht. Denn diese Lösung garantiert Kontinuität und Erneuerung zugleich. Und der Markt der geeigneten Kandidaten für ein Haus wie das Deutsche Theater Berlin ist so gut wie leergefegt.

Eine Schwierigkeit gilt es dabei zu überwinden: Khuons Vertrag am Thalia Theater Hamburg läuft bis 2010. Dass Bernd Wilms (66), selbst wenn es sich um Ulrich Khuon handelt, noch einmal zum Weitermachen zu bewegen wäre, kann man ausschließen. Möglicherweise kommt Khuon vor 2010 nach Berlin – an ein Haus, das gut bestellt ist und das zu ihm passt.

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