Kultur : Die Hand des Pharao

Bei den Pyramiden von Kairo entsteht das neue Ägyptische Museum

Andrea Nüsse

Nie wieder in der Geschichte hat sich jemand so wirkungsvoll verewigt wie die Pharaonen mit ihren Pyramiden. Aber ein bisschen in die Nähe der Ewigkeit können die Menschen auch heute noch rücken: Das neue Ägyptische Museum, das in der Nähe der Pyramiden in Kairo gebaut wird, sucht Sponsoren. Wenn Sie ein Liebhaber von pharaonischem Schmuck sind, können sie für 500000 Dollar die Schirmherrschaft über die Schmuckvitrinen übernehmen. Dafür wird Ihr Name an der Vitrine genannt und Sie werden jährlich zum Dinner eingeladen. Spendierfreudigere Liebhaber können die Sammlung des Tutanchamon sponsern mit 30 Millionen US-Dollar. Oder die Statue von Ramses II., die im Eingang aufgestellt werden soll, mit fünf Millionen Dollar. Für zwei Millionen Dollar können Sie der großen Eingangshalle des Museums ihren Namen geben, und für 700000 Dollar wird die Krankenstation des Museums nach Ihnen benannt. Doch auch an kleine Geldbeutel ist gedacht. Für eine 500-Dollar-Spende wird der Name des Gebers in einen Stein eingeritzt. Das neue Museum, das den völlig veralteten Jahrhundertwendebau im Stadtzentrum ablösen soll, wird etwa 550 Millionen Dollar kosten. Die Japanische Bank für Internationale Kooperation will einen Langzeitkredit geben, der Rest soll durch Sponsoren finanziert werden.

Der Bau des irischen Architektenteams Shih-Fu Peng und Roisin Heneghan wird ein Werk der Superlative: Das größte Museum der Welt für das Altertum Ägyptens entsteht in etwa zwei Kilometern Entfernung von den Pyramiden. Genau an der Schnittstelle zwischen Wüste und dem fruchtbaren Niltal. In Sichtachse der Pyramiden. Architekt Peng träumt bei einer Präsentation in Kairo bereits davon, das Museum mit den Pyramiden, die zum Weltkulturerbe gehören, durch eine Esplanade zu verbinden. Die Ausmaße der Gesamtanlage überträfen nach Berechnungen Pengs die Schloss- und Gartenanlage von Versailles. Eine lichtdurchlässige Steinwand aus Marmor, die mit ihren Dreiecken eine Verbindung zu den Pyramiden herstellt, bildet den Eingang des Museums. Das flache Gebäude wirkt aus der Luftlinie wie eine Hand mit fünf Fingern, die in Richtung Pyramiden ausgestreckt sind. Diese sieht der Besucher als Erstes, wenn er die einer Tempelanlage nachempfundene Haupttreppe zum Obergeschoss hinaufgestiegen ist. In fünf Galerien, auf 250000 Quadratmetern, werden die etwa 100000 Objekte präsentiert, die derzeit aus Platzgründen teilweise in Kellern und Lagerhallen des Ägyptischen Museums liegen. Mit täglich 15000 Besuchern wird gerechnet.

Den Grundstein für das neue Ägyptische Museum in Kairo hatte Präsident Hosni Mubarak bereits im Mai 2002 gelegt. 2003 waren die Sieger des Wettbewerbs gekürt worden. Doch nun soll es losgehen. Im September ist Baubeginn für das Wissenschaftszentrum zur Restaurierung und Konservierung der Altertümer. Dann wird der Neubau angepackt. Die Eröffnung ist für 2009 geplant.

Damit wird Kairo das größte Museum für ägyptische Altertümer haben, wie der Architekt betont. Der ägyptische Kulturminister Faruk Hosni legt noch eins drauf und spricht vom größten Altertumsmuseum der Welt überhaupt. Der Stolz der ägyptischen Kulturmanager ist nicht zu überhören. Allerdings sind nur ausländische Teams mit Design und Entwurf beauftragt, weil die Qualität der ägyptischen Baumeister wohl nachgelassen hat mit den Jahrtausenden. So präsentiert der Mitarbeiter der britischen Firma „metaphor“, die für den Ausstellungsaufbau verantwortlich ist, das Innenleben des Neubaus. Einzigartig an dem neuen Museum ist nach Angaben von Stephen Greenberg, dass monumentale Steinplastiken neben kleinen Kunstwerken ausgestellt würden. Es gibt keine Trennung wie im Britischen Museum oder im alten Ägyptischen Museum in Kairo, wo die Monumentalplastiken im Erdgeschoss zu sehen sind und das kleinere Kunsthandwerk in den oberen Etagen. Das Grab Tutanchamons soll nachgebaut werden und, im Boden eingelassen, von oben zu besichtigen sein. Auch für die Zukunft wird geplant. Ein Platz ist vorbereitet, um eines Tages das Sonnenboot unterzubringen, das derzeit am Originalfundort neben den Pyramiden zu besichtigen ist.

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