Kultur : Die Hand in der Hose: John Travolta in der Endlosschleife

Ines Altenrath

John Travolta setzt sich hin und schiebt die linke Hand in seine schwarze Unterhose, sein Blick wirkt träumerisch entrückt. Um ihn herum stehen kichernde Frauen und schweigsame Männer und schauen auf ihn herab. Der Hollywood-Star liegt auf dem Holzboden unter dem neuen grünen Info-Pavillon auf dem Potsdamer Platz als Videoprojektion, die man mit einem Porno-Film assoziiert. Natürlich ist nichts wirklich Pornografisches zu sehen, der Macher des Videos verwandelte lediglich die Dauer einer kurzen Szene aus dem Film "Saturday Night Fever": Dabei wurde aus einem schnellen Griff in die Hose Onanie. Diese drei Minuten Erotik des Israelis Assaf Etiel sind Bestandteil einer halbstündigen Videoschleife aus einer Sammlung von aktuellen Kunstvideos (bis zum 6. Oktober nachts von 20 bis 8 Uhr), die der art club berlin als Open-Air-Ereignis präsentiert. Er kreiert damit ein neues Konzept, Kunstvideos außerhalb geschlossener Räume vorzuführen. Auch der Blickwinkel auf die Werke ist ungewöhnlich, da sie von einem Videobeamer aus dem Boden der nachts schwebenden Box vor die Füße der Betrachter projeziert werden. Die Arbeiten bewegen sich zwischen MTV-Clips entliehenen Bilderfluten mit aufheizender House-Musik (Bauhouse), Baumaschinen, die den Rhythmus für wimmernde E-Gitarren vorgeben (Mike Ballou) und einem Schwarz / Weiß Kurzfilm, in dem ein junges Szene-Pärchen unsinnigerweise einen Club in Marzahn eröffnen möchte (Nina Fischer / Maroan El Sani). Das Programm der Videoschleife wechselt täglich. John Travoltas Griff ins Eingemachte ist am 5. Oktober noch einmal zu genießen.

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