Die Heiligen Drei Könige in der Kunst : Das ist die Krönung

Sie waren Weise aus dem Morgenland, bevor die Christenheit sie in den Adelsstand erhob: Eine großartige Ausstellung im Kölner Schnütgen-Museum präsentiert Mythos, Kunst und Kult der Heiligen Drei Könige.

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Anbetungswürdig. Die Krippen-Szene findet sich auf einem Diptychon aus der Schule des Herzogtums Brabant oder Luxemburg, um 1360 (Ausschnitt) Foto: Museo del Bargello/Italienisches Kulturerbe-Ministerium
Anbetungswürdig. Die Krippen-Szene findet sich auf einem Diptychon aus der Schule des Herzogtums Brabant oder Luxemburg, um 1360...Foto: Museo del Bargello/Italienisches Kulturerbe-Ministerium

Vor 850 Jahren, an einem vermutlich heißen Julitag des Jahres 1164, zogen die Heiligen Drei Könige in Köln ein. Das Wappen der Stadt verdankt diesem Ereignis seine Kronen: der Ankunft der Gebeine der Drei, die Kaiser Barbarossa bei der Eroberung des aufmüpfigen Mailand als Beute genommen und seinem Kanzler Rainald von Dassel geschenkt hatte. Der wiederum war zugleich Erzbischof von Köln und übergab sie seiner Heimatstadt am Rhein, die daraufhin binnen weniger Jahre zu einem der bedeutendsten Pilgerziele Europas heranwuchs. So sehr, dass bald auch ein würdigeres Gotteshaus zur Unterbringung der nunmehr in einem güldenen Schrein verwahrten Gebeine als notwendig erachtet und in Angriff genommen wurde. Seit 1248 wurde am Kölner Dom gebaut, im Jahr 1322 konnten die Könige einziehen.

Das Museum Schnütgen versammelt kostbare Werke aus Frankreich, Italien und den USA

Für die mittelalterliche Christenheit wurde die Dreikönigslegende immer bedeutender – und immer bedeutungsvoller ausgeschmückt. Im Matthäus-Evangelium ist nur von drei Weisen aus dem Morgenland die Rede, die den Weg nach Bethlehem zum neugeborenen Jesuskind finden. Aus den Weisen oder Magiern wurden im Laufe von Jahrhunderten Könige: eine Deutung, die die ottonischen Kaiser des Reiches gerne aufnahmen, konnten sie ihre (römische) Königswürde doch so mit Christus in Verbindung bringen.

Dem Dreikönigskult ist jetzt eine Ausstellung im Kölner Schnütgen-Museum gewidmet, dem renommierten Haus für mittelalterliche Skulpturen und Objekte. Die Schau führt eine einmalige Fülle von Kunstgegenständen zusammen. Vieles kommt aus Frankreich, aus dem Louvre und dem Musée de Cluny, weitere Exponate stammen aus dem Metropolitan Museum New York oder dem Museo del Bargello in Florenz. Schon diese Namen lassen erahnen, welche Kostbarkeiten hier versammelt sind.

Auch die Anbetungsgruppe mit den Heiligen Drei Königen ist in der Ausstellung im Museum Schnütgen zu sehen. Foto: dpa
Auch die Anbetungsgruppe mit den Heiligen Drei Königen ist in der Ausstellung im Museum Schnütgen zu sehen.Foto: dpa

Der Zugang zu mittelalterlichen Objekten fällt heutigen Besuchern gewöhnlich nicht leicht; zu stark sind Ikonografie und Bedeutung biblischer Sujets verblasst. Beim volkstümlichen Thema der drei Weisen verhält es sich anders, und wenn am Ende eine riesige neapolitanische Krippenanlage des 18. Jahrhunderts mit 145 Figuren und 73 Tieren für Entzücken sorgt, dann ist diese im Grunde unpassende Zugabe zum mittelalterlichen Ausstellungsbestand so etwas wie der Lohn für die Anstrengung, der sich der Besucher zuvor unterzogen hat.

Ihre Königskronen bekamen die drei Weisen erst im 12. Jahrhundert

Wobei der eigentliche Lohn darin besteht, kaum je gesehene, weit verstreute Objekte unter einem Dach vereint zu sehen. Der Bestand an Objekten des vermeintlich dunklen und kunstlosen frühen Mittelalters vor dem Jahr 1000 ist ohnehin überraschend groß. Da finden sich spätantike Sarkophagreliefs, Schnitzereien aus Elfenbein oder Walfischknochen und illuminierte Handschriften. Von wegen kunstlos: die kaum mehr als handtellergroßen Reliefs, ob aus Oberitalien, Konstantinopel oder Syrien/Ägypten, sind derart fein gearbeitet, dass eine über Jahrhunderte gewachsene Handwerkstradition im ganzen Mittelmeerraum anzunehmen ist.

Mit dem 12. Jahrhundert steigt die Zahl der überlieferten Objekte enorm, vor allem dank der Buchmalerei-Werkstätten, ob in England oder auf der Bodensee-Insel Reichenau. Nun bekommen die Weisen ihre Königskronen; besonders anrührend auf einem romanischen Kapitell aus dem burgundischen Autun, das den Schlaf der Könige zeigt: Sie werden vom Engel sanft geweckt, der ihnen einflüstert, nicht – zum König Herodes zurückzukehren, der den Geburtsort des vermeintlichen Thron-Usurpators zu erfahren hofft. Die Dreikönigsgeschichte bot Raum für solche Detailerzählungen; einschließlich des bethlehemitischen Kindermords als grausame Folge von Herodes’ Verunsicherung. Ihn darzustellen, blieb der Tafelmalerei vorbehalten, die ab 1350 in deutschen Landen entsteht.

So sehr die Dreikönigslegende Gemeingut aller christlichen Gläubigen ist, so eng ist sie denn doch mit Köln verbunden, wie die Ausstellung zeigt. Man kann sie auch als Ausdruck kölnischen Bürgerstolzes ansehen, der vom Dombau bis zu den Museumsgründungen hervorbrachte, was die Stadt bis heute prägt. Aus dem Berliner Kupferstichkabinett stammt die dreieinhalb Meter breite, von neun Stöcken gedruckte Köln-Ansicht, die Anton Woensam von Worms 1531 im Holzschnitt festhielt, detailgenau wie keine zuvor und danach. Entstanden ist die Ansicht aus Anlass des Besuchs von Ferdinand I, dem Bruder Kaiser Karls V., der im Kölner Dom beziehungsweise dem damals lediglich fertiggestellten hochgotischen Chor zum deutschen König gewählt wurde. Eine letzte, gewichtige Reverenz an die Drei Könige, von denen die Stadt als Pilgerort so lange und gut gelebt hatte. In der Reformationszeit sank die Zahl der Pilger dramatisch, und zugleich verlagerte sich das ökonomische Gewicht vom Rhein weg Richtung Niederlande und Seehandel.

Ausgerechnet der bedeutendste Kölner Beitrag zur Kunst um die Drei Könige ist nicht in der Ausstellung zu sehen: Der Altar der Stadtpatrone, 1442 von Stefan Lochner für die Ratsherren gemalt, steht heute im Dom. Da sind aus den morgenländischen Weisen rheinische Honoratioren geworden. Um zu verstehen, was es mit diesem prachtvollen Dreiflügelaltar auf sich hat, bietet die Ausstellung im Schnütgen-Museum allerdings reiches Material – zur Anschauung und zur Bewunderung.

Köln, Schnütgen-Museum, Cäcilienstr. 29-33, bis 25. Januar. Di - So, 10-19 Uhr, Do 10-20 Uhr. Am 31.12. und 1.1. geschlossen. Weitere Informationen: www.museumschnuetgen.de. Der Katalog (auch in Englisch) ist bei Hirmer erschienen und kostet 39 €.

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