Kultur : Die Hoffnung im Seelendunkel

YOUNG EURO CLASSIC

Joscha Schaback

Ungarn hatte es nicht leicht. In der k.u.k.- Monarchie stand das Land unter der Fuchtel der Nachbarn aus Wien, 1938 holten die Deutschen das Land „heim ins Reich“ und nach dem Zeiten Weltkrieg fiel es der langen Hand aus Moskau zum Opfer. Wie sollte die Musik ihrer Komponisten da einfach sein oder vergnügt?

Der junge ungarische Dirigent Domonkos Héja jedenfalls und das von ihm selbst gegründete ungarische Danubia Youth Orchestra , kamen nicht zu young.euro.classic ins Konzerthaus, um easy zu sein, sondern um komplizierte Musik zu spielen - auf nachdenkliche Weise. So zeichnen wuchtige Unisonostellen, wütend und klagend zugleich, Levente Gyöngyösis uraufgeführte „Sinfonietta Nr.2 für Orchester“ aus. Nur manchmal wird das Auftragswerk durch unheimliche Misterioso-Einschübe unterbrochen.

Die logische, ebenso düstere Folge war Béla Bartóks „Divertimento für Streichorchester“. Das auch durchaus heiter spielbare Werk geriet bei Héja zu einem schwermütigen Schicksalsbild: voller Schmerz im molto adagio, voller Trotz im finalen allegro assai.

Mit Ludwig van Beethovens 4. Sinfonie hätte Héja die Möglichkeit gehabt, seinen fahlen Streichersound etwas aufzuhellen, die Musiker mehr „singen“ zu lassen und ein bisschen dramatischer aufzuspielen. Doch er konzentrierte sich in der vielleicht zurückhaltendsten Sinfonie von Beethoven gerade auf das verzweifelte Abbrechen, den komponierten Leerlauf der Musik, um aber dann umso süßer die neue Hoffnung erblühen zu lassen, wenn wie von weitem eine neue Melodie erklingt. Kein euphorischer Abend ging nach der Zugabe von Bartóks Rumänischen Tänzen zu Ende, aber ein ernsthafter. Darin liegt Hoffnung.

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