Kultur : "Die Holocaust-Industrie": Schlechte Gesellschaft

Iring Fetscher

Die Vermutung, dass sich rechtsextreme und neonazistische Kreise in Deutschland des Buches von Norman G. Finkelstein "Die Holocaust-Industrie" bemächtigen werden, bestätigt sich schon jetzt. Der Prospekt eines "Buchdienstes Nation Europa", der auf 16 Seiten fast ausschließlich Bücher zur Verherrlichung von Waffen-SS-Divisionen und Porträts führender Nazis wie Hitler und Göring anbietet, stellt auf Seite 2 sein Buch in großer Aufmachung vor und rät dringend zur Vorbestellung der im Frühjahr 2001 beim Piper-Verlag erscheinenden deutschen Übersetzung, da auf den Verlag "Druck ausgeübt werde, das Buch nicht zu publizieren".

Wenn man sich das Panorama der Bücher und Videokassetten ansieht, in dessen Umkreis Finkelsteins Buch hier erscheint, kann man sich nicht gut vorstellen, dass dem Verfasser (und dem Verlag) dabei ganz wohl ist. Abgesehen von den Kriegsbüchern findet man dort auch Polemiken gegen die Juden Albert Einstein und Sigmund Freud sowie Arbeiten über Wotan und deutsche Heldensagen, außerdem geeignete Leuchter für ein germanisches Julfest. Wenig bekannte Nazis weisen nach, wie der Krieg doch noch hätte gewonnen werden können und wie ein idealer Nationalsozialismus ausgesehen hätte. Auch David Irving ist mit einem neuen Buch über "Deutsche Wunderwaffen" dabei. Vermutlich hält der Organisator des Prospektes Finkelsteins "Holocaust-Industrie" für seine neueste propagandistische Wunderwaffe.

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