Kultur : Die Hunde, der Dieb und der Tod

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Statt ihre Autos zu klauen, könnten wir zuerst ihre Hunde essen...

Dann würden sie denken, wir sind jemand anderes...

Wir sind nur Hundefresser...

Dann könnten wir eimerweise Brillanten scheffeln...

Und sie würden nichts merken...

Sie würden nur Hundefresser sehen...

Hundeverschlinger in Audis und Daimlern würden sie sehen...

Hundegeile Fleischfresser mit Goldkettchen...

Ja, ich würde ins Geschäft gehen und die teuersten Sachen aussuchen...

Und sie wären wie blind...

Und würden nur das Hundefleisch in unseren Bäuchen sehen...

Wer weiß...

Was, wer weiß...?

Wer weiß, vielleicht würden sie uns sogar für Russen halten...

O ja, für Russen, die alles dürfen...

Die dürfen Hunde essen und mit ihren Autos fahren...

Aber woran erkennen sie Russen...?

Daran, dass sie Angst vor ihnen haben...

Daran, dass sie so sein möchten wie sie, und daran, dass sie nie so sein werden...

Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. – Dies ist der Beginn eines Prosa-Dramas, das Andrzej Stasiuk im Rahmen eines Osteuropa-Projekts für das Düsseldorfer Schauspielhaus schreibt. Nach der deutschen Uraufführung wird es 2005 auch im Stary Teatr Krakau inszeniert werden.

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