Kultur : Die japanische Multimedia-Truppe "Dumb Type" in der Berliner Arena

R. S.

Die Frage, was heute noch Avantgarde sei, lässt sich auch nach dieser Show leicht beantworten: Es gibt sie nur noch als Seifenblase. Wie eine Algenpest hat die Globalisierung der Ästhetik auch das überlagert, was einmal avantgardistisch zu nennen war oder nur innovativ. Alles ist neu, und alles ist alt. Ein Nullsummenspiel: Eine Tänzerin bewegt sich vor einer Wand mit Meeresprojektion. Ein romantisches Bild, man denkt an Caspar David Friedrichs Mönchlein. Ein Tänzer steht vor derselben Wand, die nun einen Querschnitt durch ein Haus oder eine Wohnung vorstellt, in der sich derselbe Tänzer im Film bewegt. Diese Konstellation erinnert womöglich an "Die Zeit und das Zimmer" von Botho Strauß. Ebenso die Eingangsszene, die noch ohne jeglichen Multimedia-Zauber auskommt - Menschen im Wartesaal, ein Kommen und Gehen, Sitzen und Stehen. Chiffren der Verlorenheit? Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Ein aufwendiges Gastspiel in der Arena, mit Riesen-Hype angekündigt und mit höchster Spannung erwartet: Schließlich gastiert die japanische Performance-Gruppe "Dumb Type" zum ersten Mal in Berlin, auf Einladung des Hauses der Kulturen der Welt. Die Leinwand explodiert. Zahlenkolonnen rasen. Straßenszenen zerplatzen. Bässe greifen an. Elektronisches Gefiepe dringt ins Ohr, das der Wahrnehmungsgeschwindigkeit des Auges nicht mehr nachkommt. "Memorandom": Eine Stunde Lebenszeit, Erinnerung wird ausgelöscht. Assoziationen sind Notwehr. Ein Schlachtfeld: Das muss schon der Computer-GAU zum Millennium sein. Riesenenttäuschung: Wir haben überlebt.Noch einmal heute abend, 20 Uhr

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