Kultur : Die K-Frage

Im Grunde waren die Grünen ja in sich selbst eine kleine rotgrüne Koalition. Wie ist das denn gewesen, damals, Ende der siebziger Jahre? Die Neomarxisten aus den K-Gruppen (das K stand nicht für "Kanzler", sondern für "kommunistisch") und die anarchistisch angehauchten Spontis taten sich mit der frisch entstandenen Anti-Atom- und Öko-Bewegung zusammen. Den Müslis. Die Roten und die grünen Müslis brauchten sich, um über die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen, aber sie mochten einander nicht sonderlich und redeten schlecht übereinander. Insofern war es eine echte Koalition.

Die Grünen waren die Träumer. Die Roten waren die Realisten. Die Roten hatten bei Lenin gelernt, dass es vor allem darauf ankommt, die Macht zu erobern. Mehrheiten organisieren, Parteitage auf die richtige Linie bringen, Bündnisse, Strategie und Taktik - das war ihre Welt. Es war absehbar, dass die Roten in der rotgrünen Koalition auf Dauer die Stärkeren sein würden. Nur ein politisches Thema hatten die Roten nicht. Sozialismus, direkte Demokratie, nein, das brachte es bei den Wählern nicht, das Erfolgsthema hieß Ökologie. In der rotgrünen Koalition zogen die Roten die Fäden, und die Grünen besorgten die populären Inhalte.

Im Lauf der Zeit haben immer mehr Urgrüne die Partei verlassen, die Konservativen wie Herbert Gruhl, Baldur Springmann oder, ein etwas anders gelagerter Fall, Otto Schily, unverbesserliche Linksradikale wie Jutta Ditfurth oder Thomas Ebermann, Bürgerrechtler wie Konrad Weiß, zuletzt Gründerväter wie Wolf-Dieter Hasenklever und Willi Hoss. Die Partei wurde immer weniger bunt, immer weniger rotgrün und immer mehr rot, die Partei der Realisten, derjenigen ehemaligen K-Gruppen-Leute und Spontis, die sich, unausgesprochen, an einige Devisen des großen Taktikers Lenin hielten. Der Linksradikalismus, sagt Lenin, muss als eine notwendige Kinderkrankheit der Partei angesehen werden. Die Devise der Parteiführung sei: Zwei Schritte vorwärts, ein Schritt zurück, immer voraus, aber nie außer Sichtweite. Die richtige Linie ist wichtiger als die Größe der Partei.

So entstand allmählich die K-Gruppe, die man jetzt in Rostock gesehen hat, eine K-Gruppe neben der SPD. Mit dem großen Problem allerdings, dass sie als originelles Thema nach wie vor nur die Ökologie hat. Davon hängt vermutlich das Überleben der Partei ab. Und dass ist lustig, weil von den Ur-Ökologen, von den wirklich Grünen in der grünen Partei ja nicht mehr viel übrig ist. Trotzdem werden sie bestimmt eine gute Umweltpolitik machen. Bei Lenins Bolschewiki war es übrigens so, dass sie mit dem Dekret über den Frieden und mit der Befreiung der Bauern an die Macht kam, später haben sie die Bauern in die Kolchosen gesteckt und Angriffskriege geführt. Bei den Leninisten weißt du nie, was als nächstes kommt - aber was immer es ist, sie machen es gründlich.

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