• Die Kandidaten der Berliner Philharmoniker (7): Der musikalischste Mensch der Gegenwart

Die Kandidaten der Berliner Philharmoniker (7) : Der musikalischste Mensch der Gegenwart

Am 11. Mai wählen die Berliner Philharmoniker ihren neuen Chef. Bis dahin stellen wir täglich einen neuen Kandidaten vor – heute den letzten: Daniel Barenboim.

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Daniel Barenboim
Daniel BarenboimFoto: AFP / Pierre-Philippe Marcou

So, so, aha, er ist also „kein Kandidat“ für die Abstimmung der Berliner Philharmoniker am morgigen Montag. Klar. Die Erde ist ja auch eine Scheibe und Babys bringt der Klapperstorch.

Keinen lebenden Dirigenten kennen die Berliner Philharmoniker so gut wie Daniel Barenboim, über ein halbes Jahrhundert währt nun schon ihre Künstlerfreundschaft, zwei Mal war der argentinische Meisterpianist und -dirigent kurz davor, Chefdirigent zu werden. 1989, als es Claudio Abbado wurde, und 1999, bei der Entscheidung für Simon Rattle, soll er der Zweitplatzierte gewesen sein.

Daniel Barenboim ist der musikalischste Mensch der Gegenwart. Und einer der fleißigsten obendrein. Wie der Körper des Zigarrenrauchers eine solche Dauerbelastung aushält, zählt zu den großen medizinischen Rätseln unserer Tage. Fakt ist: Dieser Mann gehört unbedingt zu den Kandidaten, wenn es um die Zukunft der Berliner Philharmoniker geht. Was Barenboim besonders für die Individualistentruppe prädestiniert, ist seine Fähigkeit, in der abendlichen Aufführung auch mal loszulassen. Dann steht er lässig an die rückwärtige Begrenzung des Dirigentenpultes gelehnt, scheint unbeteiligt, vollzieht aber tatsächlich in Gedanken den freien Flug der Musiker mit. Beethoven wird bei ihm zum napoleonischen Helden, ins Grandiose zielen seine Interpretationen der Spätromantiker, während er bei Mozart konsequent einem von keinerlei Alte-Musik-Aufklärung angekränkelten Klangideal anhängt.

Seit 1992 ist Daniel Barenboim Generalmusikdirektor der Staatsoper, und wenn er sich selber öffentlich aus dem Kreis der Top-Favoriten ausschließt, dann geschieht das mit Rücksicht auf seine Staatskapelle, die ihn zum Lebenszeit-Maestro ehrenhalber gemacht hat. Sollten die Philharmoniker diesen Paten der hauptstädtischen Klassikszene aber wirklich als Rattle-Nachfolger haben wollen, dann werden sie ihm am Montag ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann.

Bisher erschienen: : Christian Thielemann, Andris Nelsons, Teodor Currentzis, Riccardo Chailly, Pablo Heras-Cassado und Mariss Jansons.

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