Kultur : Die Klarheit des Lichts - ein Portrait des Berliner Künstlers

MK

Auch wenn wir es noch nicht wahrhaben wollen: Der Sommer ist endgültig vorüber, der Herbst scheint gekommen. Da ist es fast eine Erleichterung zu sehen, dass selbst die italienische Landschaft karg, spröde, fast ein wenig düster sein kann - und trotzdem von großem Reiz ist. Für Carl-Heinz Kliemann, der vor kurzem seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag feierte, ist dieses Italien sogar das schönste. Zumindest in künstlerischer Hinsicht.

Kliemann, der gebürtige Berliner, der unmittelbar nach dem Krieg bei den beiden Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff und Max Kaus studierte, bekam einen richtigen Schreck, als er vor Jahrzehnten erstmals das Land südlich der Alpen bereiste. Unmöglich, die italienische Landschaft zu malen, diese Landschaft, deren postkartenhafte Schönheit bereits so abgenutzt war, dass ein eigener, unverbrauchter Zugang undenkbar schien.

Der nun von Helga Kliemann erarbeitete, im Deutschen Kunstverlag erschienene zweite Band des Werkverzeichnisses seiner Zeichnungen, Aquarelle und Pastelle aus dem Zeitraum 1946 bis 1999 (118 Mark, mit durchgängig farbigen Abbildungen) zeigt, dass die Verunsicherung nur vorübergehend war. Schnell hat Kliemann zu einer unverwechselbaren Bildsprache gefunden, bis zum heutigen Tag spielt die italienische Landschaft in seinem Werk eine gewichtige Rolle.

Für andere Künstler wäre der Grund hierfür vielleicht die besondere Farbigkeit Italiens gewesen, für Kliemann jedoch ist es das Licht, genauer: die ausgesprochene Klarheit des Lichts. Wie kaum irgendwo anders betont es die Konturen und schafft ein fast architektonisches Gefüge aus präzisen Formen und Strukturen, das Kliemanns fast nüchternem, sachlichen Zugriff auf ideale Weise entspricht. Das Land, in dem die Zitronen blühen, offenbart so geradezu einen preußischen Charakter. Für die dieser Tage von unerfülltem Fernweh Geplagten bestimmt eine beruhigende Vorstellung: In Wirklichkeit sind sich Berlin und Italien vielleicht doch viel näher, als es normalerweise den Anschein hat.

0 Kommentare

Neuester Kommentar