Die Köpfe der großen Festivals : Macher aus Leidenschaft

Sie kommen aus völlig verschiedenen Feldern der Filmbranche, sie sind unverwechselbar unterschiedlichen Temperaments. Und wurden Chefs der wichtigsten Filmfestivals der Welt – in Berlin, Cannes und Venedig.

von
Kosslick
KosslickFoto: Mike Wolff

Sie kommen aus völlig verschiedenen Feldern der Filmbranche, sie sind unverwechselbar unterschiedlichen Temperaments. Und wurden Chefs der wichtigsten Filmfestivals der Welt – in Berlin, Cannes und Venedig

DER ENERGISCHE

Ganz früher mal war er Redenschreiber eines Hamburger SPD-Bürgermeisters. Einen Namen aber hat Dieter Kosslick sich als Filmförderer gemacht – ab 1992 an der Spitze der Filmstiftung NRW, die er zur bestgepolsterten Institution der Branche ausbaute. Dort wurde der heute 63-Jährige, den – fast – alle „Dieter“ nennen, zu jenem agilen, so geschmeidig wie gut gelaunt auftretenden Beweger der Branche, als der er bis heute wahrgenommen wird. 2002 verantwortete Kosslick seine erste Berlinale, unlängst wurde sein Vertrag bis 2016 verlängert. Kürzlich konterte er im Interview: „Wer sagt, dass das meine letzte Amtszeit ist?“



DER ELOQUENTE

Wenn das Festival von Cannes seinem Ende entgegengeht und die Erschöpfung überhand nimmt, steht er frisch wie am ersten Tag auf der Bühne, stellt liebenswürdig Teams vor und moderiert ihre Filme pointiert und kenntnisreich an: Thierry Frémaux, 51, ist der Chef des bedeutendsten Filmfests der Welt. Seit 2000 ist er Künstlerischer Leiter in Cannes und formt mit dem 81-jährigen Präsidenten Gilles Jacob die Doppelspitze des Festivals. Ausgebildet als Filmwissenschaftler, leitet er zudem weiterhin das Institut Lumière, die Kinemathek seiner Heimatstadt Lyon. Dass Frémaux den schwarzen Judo-Gürtel hat? Alles Geringere wäre eine Überraschung.

DER ELEGANTE

In diesem Herbst gibt er zwar, nach acht Jahren, die Leitung des Festivals von Venedig ab – an den 61-jährigen Alberto Barbera. Mit seinem Namen aber verbindet sich das heutige scharfe künstlerische Profil des weltältesten Filmfestivals: Marco Müller, 58, setzte – mitten im Politik- und Kulturbetriebsgetöse der Berlusconi-Jahre – so geräuscharm wie effizient auf den internationalen, vor allem asiatischen Autorenfilm. Müller, ausgebildet zum Sinologen und auch als Filmproduzent aktiv, sammelte vor dem Chefposten am Lido bereits Erfahrungen als Festivalmacher, ab 1989 drei Jahre in Rotterdam, danach neun Jahre in Locarno. Sein Nachfolger ist zugleich sein – indirekter – Vorgänger: Barbera leitete, ebenfalls hoch anerkannt, das Festival von Venedig von 1999 bis 2001. Zuletzt war er Direktor des Filmmuseums in Turin. jal

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