Die Kommunen und die Kunst : Abgang einer Dame

Die Versteigerung von Jacksons Pollocks „Elegant Lady No. 5“ könnte ein Menetekel sein. Nachdem das Düsseldorfer Museum Kunstpalast sein wichtigstes Bild verloren hat, wachsen die Sorgen um das Essener Folkwang Museum.

von
Versilbert. Jackson Pollocks Bild „Elegant Lady No. 5“ erzielte „nur“ knapp zehn Millionen Euro. Foto: Christie’s, VG Bildkunst 2014
Versilbert. Jackson Pollocks Bild „Elegant Lady No. 5“ erzielte „nur“ knapp zehn Millionen Euro.Foto: Christie’s, VG Bildkunst 2014

Die Pointe ist bitter. Der Verkauf seines Gemäldes „Elegant Lady No. 5“ brachte Jackson Pollock kein Glück. Er tauschte das Bild 1954 mit seiner New Yorker Galeristin gegen jenes Oldsmobile 88 Cabriolet ein, mit dem er zwei Jahre später auf Long Island tödlich verunglückte. Die Versteigerung des 98 mal 50 Zentimeter großen Werks aus der Spätphase des Künstlers, als er mit schwarzer Emailfarbe für seine Drip Paintings neue Möglichkeiten zu erproben begann, hat 60 Jahre später mittelbar erneut einen Crash zur Folge. Diesmal nicht mit tödlichem Ausgang, aber das Vertrauen in das Modell Public-Private-Partnership hat mit der Verauktionierung des Pollock-Bildes gründlich Schaden genommen.

Weniger als zehn Millionen Euro brachte das Schwarz-Weiß-Gemälde mit einer weiblichen Kontur am rechten Rand bei der Post-War- und Contemporary-Versteigerung von Christie’s in New York in der vergangenen Woche ein. Damit blieb der Pollock hinter seinen Erwartungen zurück, das Werk sollte eigentlich bis zu 20 Millionen Dollar erzielen. Für seinen Besitzer ist es trotzdem ein Geschäft, denn der damalige Direktor des Düsseldorfer Energieunternehmens Eon hatte das Werk 1980 für eine Million Mark erworben. Wirklich erfreuen werden sich seine Nachfolger an der Rendite trotzdem nicht, denn der Deal hat allzu unangenehm öffentlich gemacht, wie schnell die zuvor hehre Kunst zur Rettung der Bilanzen herhalten muss, wie fragil das Kultursponsoring von Unternehmen ist, die in wirtschaftliche Turbulenzen geraten.

Düsseldorfs Public-Private-Partnership ist mit Pollock so ziemlich an die Wand gefahren, auch wenn die eingespielte Summe dem laufenden Betrieb des Museums Kunstpalast zumindest bis 2017 mit 750 000 Euro jährlich noch zugute kommen soll. Seit 2001 hatte sich das nun an einen anonymen Bieter vermutlich nach Übersee versteigerte Bild als bedeutendstes Werk in dem Düsseldorfer Museum befunden, das von Eon wesentlich mitgetragen wird.

Eon brachte seine Firmensammlung damals zur Museumsgründung in den Ungers-Bau ein und durfte dafür auf dem benachbarten Grundstück direkt am Rhein seine neue Betriebszentrale prominent bauen. Immer wieder war in der Vergangenheit von Spannungen die Rede, Einmischungen in Museumsbelange seitens des Unternehmens. Durch den Verkauf des Pollock dürften sich die Gewichte nochmals deutlich zugunsten von Firmeninteressen und Ökonomie, genauer: von public zu private hin verschoben haben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben