Kultur : Die kritischen Neun

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TagesspiegelLeser küren ihren Favoriten

Der Gewinner der Berlinale steht noch nicht fest – dafür aber die Tagesspiegel-Leserjury. Heute nehmen die neun Juroren die Arbeit auf. Ihre Aufgabe: Den besten Film in der Sektion Internationales Forum des Jungen Films küren.

Es ist das erste Mal, dass der Tagesspiegel eine Leserjury berufen hat. Bewerben konnte man sich seit Mitte Januar. Zwei Dinge sollten, so stand es in der Ausschreibung, die Jury-Anwärter mitbringen: Zum einen Interesse an unabhängigen Filmen, wie sie das Forum der Berlinale präsentiert, zum anderen die nötige Zeit, um sich das Programm auch anzusehen. Insgesamt trafen 244 Bewerbungen ein. Wichtig war der Jury-Betreuerin Angela Hannawald bei der Auswahl vor allem eins: „Es sollten passionierte Cineasten sein, die möglichst in anderen Bereichen arbeiten.“ Außerdem legte sie Wert auf eine ausgewogene Mischung von Geschlecht und Alter.

Agnes Detert ist mit 62 Jahren das älteste Jurymitglied. Erst habe sie sich gar keine Chancen ausgerechnet, sagt die ehemalige Sozialarbeiterin. „Forum des Jungen Films – und das bei meinem Alter. Ich dachte, ich werde für verrückt erklärt.“ Sie konnte es kaum glauben, als Angela Hannawald sie anrief. Ebenfalls benachrichtigt wurde Manuel Mühlbauer, mit 21 Jahren das Küken in der Jury. Er freut sich auf Filme „ohne Hollywoodtrashgehalt“, wie er sagt. Der Abiturient möchte Regie studieren und ist der Einzige, der in seinem Leben voraussichtlich auch beruflich etwas mit Film zu tun haben wird. Die anderen Juroren arbeiten in filmfremden Bereichen, von der Psychologin bis zum Controller bei der BVG. Was sie am Kino lieben? An dieser Stelle kommen sie ab morgen täglich selbst zu Wort.

Ein bisschen Obsession muss schon sein: In den kommenden acht Tagen werden sie 39 Filme sehen – das sind pro Tag etwa zehn Stunden vor der Leinwand. Eva Bondy schreckt diese Aussicht nicht: Sie hat sich schon in den vergangenen Jahren regelmäßig zur Berlinale freigenommen. Dieses Jahr erwartet die Ärztin neben den Filmen mit besonderer Spannung die Jury-Abschlussdiskussion, wenn es darum geht, den Sieger zu küren: „Wie werden sich so unterschiedliche Menschen, die sich bisher nicht kannten, einigen?“

Am Sonnabend, dem 17. Februar, wird dann um 13 Uhr in der Saarländischen Landesvertretung der Gewinner bekannt gegeben. Verliehen wird der vom Tagesspiegel mit 3000 Euro dotierte Preis einen Tag später um 20 Uhr im Cinestar 8. Der prämierte Film ist anschließend noch einmal zu sehen. rik

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