Kultur : Die Kunst im Grünen

Das international renommierte Fotoforum C/O Berlin ist gerettet und zieht in den Monbijoupark

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Demnächst im Glashaus? Vor einem Jahr noch als Utopie präsentiert, steht die Verwandlung des Bunkers im Monbijoupark in eine Kunstgalerie jetzt zur Debatte. Foto: C/O Berlin
Demnächst im Glashaus? Vor einem Jahr noch als Utopie präsentiert, steht die Verwandlung des Bunkers im Monbijoupark in eine...

Es gibt noch Wunder. Nicht nur im wahren Leben. Auch in der Berliner Kulturpolitik. Und so saßen gestern einige glückliche Herren am Wackeltisch, den man zu einer fast konspirativ improvisierten Pressekonferenz auf den Estrich einer kalten, kahlen Halle in der Mitte Berlins gestellt hatte. Und alle zeigten ein seliges Lächeln, mit dem goethisch-faustisch-finalen Ausruf „Gerettet!“ auf den Lippen.

Tatsächlich schien die Zukunft des seit einem Jahrzehnt weit über den Hauptstadtrand ausstrahlenden Fotoforums C/O Berlin zuletzt nur noch an dem abgedroschenen seidenen Faden zu hängen. Von einem israelischen Großinvestor im schönen alten Postfuhramt zum Jahresende gekündigt, hatte die privat finanzierte Institution nach rund 70 vergeblichen Anläufen der Quartiersuche nurmehr eine letzte Hoffnung: den Umzug in das unlängst bei der Sammelausstellung „Based in Berlin“ in seiner hip-morbiden Mischung öffentlich wiederentdeckte Areal im Monbijoupark.

Dort warten, direkt gegenüber der Museumsinsel, ein halb überwucherter Weltkriegsbunker und die aufgelassenen ehemaligen Ateliers der Kunsthochschule Weißensee auf Abriss oder neue Nutzung – und sie befinden sich im Grundbesitz des Berliner Bezirks Mitte. Dieser aber wollte dort bisher mehr Grün und weniger Kunst im Park.

Der seidene Faden war am Ende indes ein ziemlich dicker Strick. Am Donnerstagabend nämlich entschied die Bezirksverordnetenversammlung, das kommunale Parlament von Berlin-Mitte, kurz nach 21 Uhr 30, dem „Ausstellungsforum C/O Berlin“ im Monbijoupark eine „kurzfristig provisorische Nutzung“ einzuräumen. Wobei das „kurzfristig“ (wie einst beim Mauerfall-Beschluss) ab sofort bedeutet und das Provisorische vieles offen lässt und möglich macht.

So sahen die Herren am Tisch der Pressekonferenz in der bei „Based in Berlin“ als Cafeteria genutzten ehemaligen Atelierhalle durch ein offenes Fenster hinüber zur Kuppel des Bode-Museums, um das sich gerade die Besucherschlangen für die Ausstellung „Gesichter der Renaissance“ winden. Ein Symbol der Hoffnung. Acht Jahre hatte der Bezirk Mitte um die Zukunft des Monbijouparks gerungen. Inzwischen gibt es dort ein viel frequentiertes Kinderschwimmbad, das wie improvisiert angesiedelte „Hoftheater Hexenkessel“ und neben einer Spreeterrasse mit Sommergastronomie auch eine hölzerne „Märchenhütte“ auf Teilen des alten Bunkers. Der aber sollte mit Millionenkosten gesprengt werden, um noch mehr Wiese und Bäume zu pflanzen.

Ephraim Gothe, der Baustadtrat von Mitte, verkündete nun die Wendung der Bezirksverordneten, die sich nun einstimmig und entgegen den zuletzt schier unverrückbar erscheinenden Bebauungs- und Nutzungsplänen, für einen von C/O Berlin wesentlich mitgestalteten KunstPark entschieden haben. C/O-Geschäftsführer Stephan Erfurt: „Wir haben das Ergebnis der Abstimmung am Donnerstagabend demütig in einer Kreuzberger Pizzeria abgewartet. Bis die erlösende SMS von Herrn Gothe kam.“

Es ging (und geht) um die Zukunft eines Ausstellungsorts der Fotografie, mit jährlich 200 000 Besuchern und, das ist hier einzigartig, ohne öffentliche Mittel finanziert. Hinter den Kulissen war darum wohl sehr gerungen worden. Der Baustadtrat bedankte sich zwar für die Diplomatie des Senats, der „dankenswerterweise keinen Druck auf den Bezirk“ ausgeübt habe. Der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit aber hatte vor einem Jahr seinen Beistand bei der Rettung des Fotoforums versprochen: „C/O Berlin ist eine private Initiative, aber für Berlin keine Privatsache mehr!“ Nun betonte Kulturstaatssekretär André Schmitz, zwei Tage vor den Berliner Wahlen, zwischen Gothe und Erfurt sitzend: „Uns war immer klar, C/O spielt nicht nur in der Bundesliga, sondern auf internationaler Ebene.“ So wurde ein Eklat gerade noch vermieden.

Nachdem sich der Plan, die ehemalige Jüdische Mädchenschule in der dem Postfuhramt nahen Auguststraße zu einer „Schule des Sehens“ zu machen, vor einigen Monaten zerschlagen hatte, setzte C/O praktisch nur noch auf den Monbijoupark. Den dortigen Bunker nicht aufwendig zu sprengen, sondern mit einer spektakulären gläsernen Halle zu überbauen, war im September 2010 schon ein Vorschlag des Architekten und C/O-Mitgeschäftsführers Ingo Pott gewesen. Auf den damals „als Utopie“ präsentierten Entwurf wird man nun mindestens teilweise zurückkommen. Wobei mit dem Bezirk noch geklärt werden muss, inwieweit die ehemaligen Atelierhallen erhalten bleiben und neben dem Bunker auch die vorhandenen Keller einer einst geplanten Augenklinik der neuen, etwa 3000 Quadratmeter großen „künstlerischen Schule des Sehens“ zugeordnet werden können.

Das alles soll nun in einem „offenen Prozess mit allen am Ort Beteiligten“ eruiert und später mit Eigenmitteln und privaten Spenden realisiert werden. Bis zum Sommer 2012 hofft C/O doch noch im Postfuhramt bleiben zu können, um dann im Herbst nächsten Jahres das womöglich noch provisorische Quartier im Monbijoupark mit einer noch nicht benannten Großausstellung zu eröffnen.

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