Die Kunstmesse Art Karlsruhe : Entspannt und erfolgreich

Die Kunstmesse Art Karlsruhe ist seit ihrer Gründung 2004 ein Publikumsmagnet. Auch dieses Jahr bietet sie einen antielitären, niederschwelligen Zugang zur Kunst.

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Kraftvoller Auftritt. Die Münchner Galerie 20/21 Modern & Contemporary bietet auf der Messe die Gouache „Fildon II“ (1992) direkt aus dem Atelier des Malers K. O. Götz an.
Kraftvoller Auftritt. Die Münchner Galerie 20/21 Modern & Contemporary bietet auf der Messe die Gouache „Fildon II“ (1992) direkt...Foto: Art Karlsruhe / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Seit ihrer Gründung 2004 ist die Kunstmesse Art Karlsruhe ein Erfolg. Mit 50 000 Besuchern lag sie im vergangenen Jahr nur knapp hinter der Art Cologne. Und während sich die Kölner Handelsplattform nach wie vor um ein internationales Profil bemüht, steht Karlsruhe für eine solide, regionale Verankerung im südwestdeutschen Raum mit Ausstrahlung nach Frankreich und in die Schweiz. Nicht weniger bodenständig ist das Messeprogramm, das einen niederschwelligen Zugang für Kunst gewährleistet. Sein Motto lautet: „Wir wollen nicht elitär sein.“

Strategisch setzt Gründer und Projektleiter Ewald Karl Schrade auf Kontinuität. Man bemüht sich um überregional aktive Händler, deren Programm national und international orientiert ist. Zu diesem Kreis gehören langjährige Teilnehmer, aber auch Neuzugänge wie Carlier Gebauer aus Berlin, die Werkgruppen von Erik Schmidt und Andreas Mühe präsentieren. Unisono zeigen sich die Galeristen überzeugt von der hellen, großzügigen Messearchitektur und der professionellen Betreuung durch die Messe. Aber ausschlaggebend für ihre Beteiligung ist die Nähe zu örtlichen Sammlern, die als bedächtig im Kauf, aber treu und verbindlich charakterisiert werden. Im Gegensatz zu sogenannten Schaufenstermessen werde hier auch verkauft.

Die Neubewertung des Regionalmarktes aufgrund der Skepsis internationaler Entwicklungen

Ein Beispiel dafür liefert die Galerie Ernst Hilger aus Wien. Nach einmaliger Teilnahme am Beginn der Messe vor 13 Jahren fand man 2016 wieder den Weg in die Fächerstadt. Die guten Verkäufe rechtfertigten nicht bloß eine erneute Rückkehr, sondern lockten auch andere Galerien aus der Alpenrepublik. Diese Neubewertung eines Regionalmarkts geht dabei mit zunehmender Skepsis gegenüber der internationalen Entwicklung einher. Dies betrifft insbesondere Messen in den USA oder der Türkei, deren politische Entwicklung Zurückhaltung in ökonomischen Entscheidungen bewirkt.

Zeigt sich der Messeauftritt von Hilger vielleicht etwas weniger experimentell als sonst, so betont Thomas Riegger von der Galerie Meyer Riegger, dass ihr Stand auf der Art Karlsruhe so an jedem anderen Messestandort zu sehen wäre. Auch Meyer Riegger (Karlsruhe / Berlin) haben nach ihrer er ersten Teilnahme im vergangenen Jahr neue Sammler gewonnen. Ein Erfolg, den man noch anderen Berliner Galerien wie Gilla Lörcher wünscht, die mit drei anspruchsvollen Positionen angereist ist. Das gilt mit Blick auf den notorisch schwierigen Berliner Markt nicht weniger für die Künstler. So ist die Malerin Renata Tumarova, die bei K. H. Hödicke studierte, aktuell nur bei westdeutschen Galerien vertreten, von denen gleich drei in Karlsruhe ihre Werke zeigen.

Die Berliner Galeristin Carsta Zellermayer tätigt seit Jahren gute Verkäufe

Seit Jahren gute Verkäufe bestätigt die Berliner Galeristin Carsta Zellermayer, deren Koje mit einem großartigen Triptychon von Bernhard Schultze (220 000 Euro) zu den besonders erwähnenswerten Präsentationen gehört. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass einzelne Galerien weniger glücklich mit den Verkäufen sind, vor allem im hochpreisigen Segment von musealer Qualität.

Ein weiteres Highlight aus Berliner Perspektive ist die gelungene Präsentation des dänischen Malers Per Kirkeby mit einer selten zu sehenden Backsteinskulptur. Mit noch größerem Aufwand präsentiert die Galerie Nothelfer tonnenschwere, dennoch tänzelnde Skulpturen von Robert Schad (Preise: 50 000–90 000 Euro), in den gedrungenen Kölner Messehallen so kaum vorstellbar. Schad gehört zu den Künstlern mit regionalem Bezug und öffentlicher Präsenz, die – neben den hiesigen Sammlerkontakten – für eine Teilnahme an der Art Karlsruhe spricht. Ob bei Henze & Ketterer, Ludorff, Holtmann oder Schlichtenmaier, klassische Moderne und Nachkriegskunst sind gut, wenn auch nicht massenhaft unter den knapp 210 Galerien in den vier Hallen vertreten, in denen auch Dekoratives und Figuratives weithin sichtbar ist und seine Liebhaber findet.

Vor dem Kauf eine Nacht Bedenkzeit

Die 35 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche bieten überdies Platz für einige Sonderschauen. Hier ist vor allem die Tomi-Ungerer-Ausstellung mit Werken aus der Sammlung Würth sehenswert. Eine weitere kleine Schau gilt Jonathan Meese, dem aktuellen Träger des mit 5000 Euro dotierten „Hans-Platscheck-Preises für Kunst und Schrift“, für den Florian Illies als Juror die Laudatio hielt.

Die gut besuchte Vernissage wirkte tatsächlich weniger elitär und prätentiös als andernorts. Man gab sich gelassen und entspannt. Wenn die Aussage eines teilnehmenden Galeristen stimmt, dass der typische Interessent hier vor dem Kauf hochpreisiger Kunst erst einmal eine Nacht Bedenkzeit braucht, dann sollten inzwischen einige Käufe geklärt sein. Michael Schultz aus Berlin jedenfalls konnte schon am Eröffnungstag acht rote Punkte an verkaufte Werke kleben.

Art Karlsruhe, Messehalle 1, Karlsruhe; bis 19.2., www.art-karlsruhe.de

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