Kultur : Die Lage der Staatsoper

Silke Derkum

In eine Staatsoper geht man nur ganz schnieke. Die Damen in dem, was sie für schnieke halten, und die Herren im Anzug. Und damit sie nicht die einzigen in einem solchen sind, haben sich die Bediensteten in der Staatsoper Unter den Linden auch alle Jacketts angezogen. Die sind aber in rot, damit sie besser zum Teppich passen. Der nette Herr Reitze, dessen Namensschild an seinem roten Jackett steckt, hilft den Damen und Herren, sich mit den vielen geschwungenen Treppenaufgängen im Opernhaus zurechtzufinden. Weil es aber im Zuschauerraum der Oper dunkel ist und niemand sehen würde, wie schnieke alle sind, lotsen Herr Reitze und sein netter Kollege Herr Riemig die Opernfans in die Konditorei. Dort können die Damen und Herren herumflanieren, an einem Glas Sekt nippen oder einen Kaffee schlürfen.

Wem es schwerfällt, nach einem anstrengenden Tag in der Vorstandsetage abzuschalten, kann mit einem "Partybrötchen mit Lachs" seine Stimmung anheben, und spätestens bei der "Partyboulette" für eine Mark auch die seines Geldbeutels. Auf dem Weg zum Sitzplatz kommen alle an der netten Frau Meyer vorbei. Sie verkauft Programmhefte und -bücher, Opernführer und CDs. Und natürlich auch das Staatsoper-Brillenetui und den Kugelschreiber. Am Platz angekommen, kann der Besucher seine Beine lang ausstrecken. Nur anlehnen kann er sich nicht. Denn in dieser Woche finden die Vorstellungen im Apollo-Saal der Oper statt, auf der Opernbühne wird noch geprobt. Ja, und im Apollo-Saal gibt es keine Rückenlehnen, dort hocken alle auf Stufen eines großen Podestes. Im Anzug, mit den Ellenbogen auf den Knien - aber das ist in der Arena di Verona ja auch so.

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