Kultur : "Die Legende von Bagger Vance": Mehr Licht!

Gregor Dotzauer

Es soll Leute geben, die Golf für die aufregendste Sache der Welt halten. Man hört aber auch von Leuten, die darüber nur den Kopf schütteln und einfach nicht hinter das Geheimnis dieser Sportart kommen. Kinogänger brauchen sich da nicht zu entscheiden - solange auf der Leinwand wenigstens so getan wird, als wäre Golfen so spannend wie Boxen oder Baseballspielen. Trotzdem hat es schon seine Gründe, dass Golf - von Ausnahmen wie Ron Sheltons "Tin Cup" abgesehen - filmhistorisch eher etwas für Komiker geblieben ist: für Laurel & Hardy, W. C. Fields, Jerry Lewis und Rodney Dangerfield. Wer sich blöd anstellen will, kann das auf dem Green eben besonders gut.

Um dabei gut auszusehen, braucht man jemanden, der noch von viel weiter außen das Spiel betrachtet und es als so etwas wie aktive Meditation versteht - jemanden wie Robert Redford. Als Regisseur hat er in den letzten Jahren eine immer stärkere spirituelle Ader entwickelt. "Der Pferdeflüsterer" hatte solche Qualitäten - und vor allem "Aus der Mitte entspringt ein Fluss", ein Film, der es als Erster verstand, auch in Deutschland einem Millionenpublikum die Faszination des Fliegenfischens zu vermitteln. Vom Angeln zum Golf, das müsste für Redford eine leichte Übung sein. Dachte man.

"Die Legende von Bagger Vance" ist aber auch ein Reflex auf Barry Levinsons "Der Unbeugsame" (The Natural) von 1983, in dem Redford einen Baseballcrack spielte, der triumphal auf die Szene zurückkehrt. Hier erzählt er von Rannulph Junuh (Matt Damon), einem jungen Golfgenie aus Savannah, Georgia. Vom Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg traumatisiert, will Junuh für immer den Schläger aus der Hand legen - bis ein Schaukampf gegen die (historischen) Topprofis Bobby Jones (Joel Gretsch) und Walter Hagen (Bruce McGill) ihn dazu bringt, sich aus Suff und Frust freizukämpfen.

Damit gewinnt er die Liebe seiner Frau Adele Invergordon (Charlize Theron) zurück, von der er sich abgewandt hatte. Das Turnier findet auf Krewe Island statt: Dort hat Adeles Vater ein Golferparadies errichtet. Es gerät just zur Eröffnung in die Hochphase der Wirtschaftsdepression, steht vor dem Bankrott und soll nun eine neue Chance bekommen.

"The Legend of Bagger Vance" ist ein period picture mit allem, was dazugehört: mit Knickerbockern, Swing und alten Autos. Mehr noch aber ist es ein Aufguss alter Themen. Vielleicht merkt man das so stark, weil auch sonst kaum etwas funktioniert. Den erzählerischen Rahmen schafft der greise Golfenthusiast Hardy (Jack Lemmon): Er erinnert sich an seine Kinderzeit (Michael J. Moncrief als Zehnjähriger) und das Turnier, ohne dass die Perspektive des Jungen für das Erzählen notwendig wäre. Den Motor des Geschehens bildet ein dunkelhäutiger Schutzengel namens Bagger Vance (Will Smith), der aus dem Nichts auftaucht und ins Nichts verschwindet, ein deus ex machina, ein Zen-Meister - er verhilft Junuh zu seinem Satori und deutet ihm durch geschickte Provokation den Weg zu dem, was er verloren hat: seinen "authentischen Schwung". Ein mysteriöser Zeitgenosse, dessen Lehre nicht halb so undurchsichtig bleibt wie die Figur: Redford und sein Drehbuchautor Jeremy Leven lassen ihn viel zu oft erklären, dass gute Golfer eine schöne Seele brauchen.

Der Film findet keinen Rhythmus, und das Stakkato, in dem die Vorgeschichte heruntergerissen wird, steht in keinem Verhältnis zur epischen Breite des Turniers: Das Trauma bleibt reine Behauptung, und Matt Damon hat nicht genügend Persönlichkeit, um es zu verkörpern. Die Kamera von Michael Ballhaus fährt und fliegt mit den Bällen, was das Zeug hält und tut lauter bewundernswerte Dinge. Dem glatt polierten Strahlelook des Films fügt sie nichts hinzu. Und wenn Rannulph Junuh seinen Eagle landet, den Ball also mit einem einzigen weiten Schlag versenkt, bricht Gabriel Faurés "Requiem" über die Szene herein. Vorbei ist es mit allem Zen. Der abendländische Festgottesdienst beginnt. Kyrie, eleison.

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