Kultur : Die letzte Nölung

NORBERT TEFELSKI

Auch in ihrer aktuellen Inszenierung verkürzen sich Hans-Eckardt Wenzel und Steffen Mensching auf die bewährten Clownsfiguren Weh und Meh, um eine nostalgische Übereinkunft mit dem Publikum zu verlängern.Die beruhte zu DDR-Zeiten auf ihrem irritierenden Konzept des "Liedertheaters": Statt die Kritik in den Doppeldeutigkeiten konventionellen Kabaretts zu verpacken, wird von vornherein formale Verweigerung geübt.Was 1978 in der Gruppe "Karls Enkel" begann, fand ab 1982 seine Fortsetzung mit Programmen wie "Neues" beziehungsweise "Altes aus der DaDaeR" oder "Der Abschied der Matrosen vom Kommunismus".Die beiden Dichter, Musiker, Filmemacher erfreuten sich randkultureller Beliebtheit, genossen da und dort gar die Anerkennung der Genossen: "Wir lassen die erstarrten Obrigkeiten denken, daß wir mit ihrem gesellschaftlichen System einverstanden sind.Doch wir werden als Hofnarren der Nation diese ganze Farce mit Gelächter überschütten." Was aber ist geblieben vom libertären Wind, der die Auftrittsorte des weiß geschminkten, schluffig gewandeten Pärchens durchwehte? Unter veränderten Bedingungen, ohne die Notwendigkeit codierten Protestes, bleibt leider nur der schale Geschmack künstlerischer Überschätzung.Da unterhalten sich zwei werdende Väter im Krankenhaus über die zu erwartenden Unterhaltskosten für das Kind.Die folgenden Minuten (Stunden? Jahre?) verbringen der lange Wenzel und der kurze Mensching damit, die hübsch formulierte Überlegung, "wieviel Geld man sparen könnte, wenn man nicht leben müßte", totzulabern.Mit "Letztes aus der DaDaeR" beerdigten die beiden 1989 den Staat, dem sie, bei allen Unannehmlichkeiten, ihre spezielle Position verdankten.Nun, so dachten sie jüngst öffentlich nach, hätten sie als Kleinkünstler unter vielen anderen die Leute zu unterhalten.Angesichts der letzten Nölung bleibt zu hoffen, daß sie nicht künftig ihre verquast anspruchsvolle Haltung mit den Untugenden schnellebiger Comedy verquicken.Erfordert doch gerade dieses Genre das Fingerspitzengefühl eines Taschenspielers, der von einem Moment zum anderen auf den blöden Zeitgeist einzugehen weiß.Und das ist wirklich eine andere Baustelle.

"Die letzte Ölung": Kalkscheune, heute und morgen 20.30 Uhr

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