Kultur : Die letzte Runde

Jörg Königsdorf

gönnt sich einen Opernmarathon Die Eintracht, die Berlins Opernhäuser seit ihrer Vereinigung unterm Stiftungsdach nach außen hin zeigen, ist schon beeindruckend. Die gemeinsame Außendarstellung im Netz (www.oper-in-berlin.de), gemeinsame Plakate und Aktionen wie die Janacek- Card, aber auch die funktionierende Spielplanabstimmung lassen einen kaum glauben, dass vor knapp zwei Jahren noch unüberwindliche Gräben zwischen den Häusern klafften. Das Gezänk der Chefdirigenten um die Wagner-Hoheit, die leidige Doubletten-Diskussion, der Futterneid der Musiker auf die Gehaltszulagen der Konkurrenz – von all dem ist kein Wort mehr.

Die Beteiligten scheinen also begriffen zu haben, dass Negativ-Schlagzeilen keinem nützen und dass ein gutes Klima die Grundvoraussetzung für das ersehnte Wachstum der Besucherzahlen ist. Das Berliner Opernangebot jedenfalls ist gut sortiert, die Preise haben im internationalen Vergleich immer noch Discounter-Niveau, einem Aufschwung steht somit nichts entgegen. Das zeigt auch ein Blick auf die letzte Woche der Saison. Bevor die drei Häuser nach exakt zwei Monaten Pause am 10. September in einer konzertierten Aktion in die neue Spielzeit starten, kann man noch (mit Ausnahme des Montags) jeden Tag eine andere Produktion sehen – und das, obwohl die Deutsche Oper sich bereits aus dem Spielbetrieb verabschiedet hat.

Wem die geballte Dosis Gutmenschentum in der letzten Vorstellung von Hans Zenders Indianer-Oper „Chief Joseph“ in der Staatsoper nicht gut bekommt, der kann sich am Dienstag bei den Konfliktvermeidungsgesängen von Puccinis „Bohème“-Volk erholen oder tags darauf an der Komischen Oper in Konwitschnys „Don Giovanni“ das Scheitern eines Hippies erleben. Während die Staatsoper dann schon in Spanien Geld für die nächsten Uraufführungsprojekte verdient, macht die Komische Oper den Sack zu: „La Traviata“ am Donnerstag, „Der Freischütz“ am Freitag, Hans Neuenfels’ bejubelte Version von Schostakowitschs Giftmörderinnen-Drama „Lady Macbeth von Mzensk“ am Samstag und der immerhin musikalisch gelungene „Ewgenji Onegin“ mit Chefdirigent Kirill Petrenko am Pult setzen den Schlusspunkt der Saison.

Und wer sich das alles angeschaut hat, braucht anschließend vermutlich wirklich zwei Monate Pause.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben