Kultur : Die Liebe ist ein Teich

Rudolf Thome sendet „Rauchzeichen“

Harald Martenstein

In den Filmen von Rudolf Thome geht es immer um die Liebe. Die Liebe kann gelingen. Die Liebe ist ein großes Wunder, das der Berliner Rudolf Thome, Jahrgang 1939, mit dem staunenden Blick eines Kindes betrachtet.

Er ist dabei unermüdlich, der produktivste aus der Generation der Autorenfilmer, 25 Liebesfilme am Stück, alle Low Budget. Es sind legendäre Meisterwerke darunter, wie „Rote Sonne“ oder „Berlin Chamissoplatz“, unterschätzte kleine Edelsteine wie „Liebe auf den ersten Blick“, aber auch ziemlich krause Sachen. Thome scheitert, wenn er seiner esoterischen Ader zu viel Raum gibt, wenn er sich nicht diszipliniert und wenn sein zärtlicher Blick ins Machohafte verrutscht.

Seit ein paar Jahren arbeitet Thome immer wieder mit der Schauspielerin Hannelore Elsner zusammen. In „Rauchzeichen“ führt Elsner auf Sardinien gemeinsam mit einer Freundin (Adriana Altaras) ein Gästehaus. Als der Exmann der Freundin auftaucht (Karl Kranzkowski), um seine ihm unbekannte Tochter kennenzulernen, kommt es zu dem thometypischen emotionalen Blitzeinschlag und zu einer Nacktszene. Bald darauf beginnt das Paar, einen Teich anzulegen. In dem Gästehaus hält sich auch eine junge muslimische Exterroristin auf. Sie wird von ihren Leuten aus dem Hinterhalt erschossen. Ein Mann, der sie liebt, begeht deshalb Selbstmord. Beide Tote werden auf dem Grunde des Teiches begraben. Danach wird das Wasser eingelassen. Auf einem Boot, das im Teich schwimmt, feiern Elsner und der Freundin-Exmann Hochzeit. Es ist jetzt ein heiliger Teich, geweiht vom Tod und der Liebe. Großes Fest. Verbrüderung. Vollmond.

Der Film hat einige Probleme. Erstens eine gewisse Langatmigkeit. Diese wird vor allem deshalb empfunden, weil eine Identifikation mit den Figuren, die gerade in Liebesfilmen extrem hilfreich ist, einem recht schwer gemacht wird (Problem Nr. 2), denn sie reden in Kalendersprüchen („Nur aus Distanz ist Erkenntnis möglich“, „Ohne Tod gibt es kein Leben“), nehmen Katastrophen wie Mord oder Selbstmord mit buddhistischer Gelassenheit hin und werden als Charaktere kein bisschen plastisch. Der Exmann wirkt unsympathisch in seiner Selbstgefälligkeit, bis auf die Stelle, in der Hannelore Elsner sich hinhockt und sagt: „Ich muss überall hinpinkeln, wie eine Katze.“ Da gibt er die einzig richtige Antwort: „Du überraschst mich immer wieder.“

In Wirklichkeit pinkeln Katzen meist an die gleiche Stelle. Die Story (Problem Nr. 3) wirkt deshalb so konstruiert, weil sie weder Realismus noch den Märchencharme der besseren Thomefilme besitzt. Das irgendwie an die Resthandlung angeklebte Islamistendrama funktioniert nicht. Dunkle Bilder und schlechter Ton (Nr. 4) sind auch unschön. Einmal schreien die Zikaden so laut, dass man die Schauspieler nicht versteht.

Es gibt im Kino keine Gesetze. Im Kino nimmt man auch die Missachtung des Filmhandwerklichen hin, wenn man stattdessen etwas anderes bekommt, zum Beispiel einen radikalen Gegenentwurf zum Bestehenden, aber dazu bleibt „Rauchzeichen“ zu betulich. Diese Liebe siegt, ohne kämpfen zu müssen. Sie ist kein Wunder, sondern ein Teich.

Acud, Babylon Mitte, Central, Eiszeit, Moviemento

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