• Die Liebe zu den Linden - Wegweiser durch die Geschichte der Gärten und Parks der Stadt

Kultur : Die Liebe zu den Linden - Wegweiser durch die Geschichte der Gärten und Parks der Stadt

Inge Ahrens

Wer Berlin nicht zum ersten Mal besucht, sollte jetzt, wo alles treibt und sprießt, den Restaurant- und Szeneführer zuhause lassen und eine kleine erholsame Reise durch die grüne Stadt einplanen. Der Berliner an sich, der Alteingesessene und der frisch Eingetroffene, weiß natürlich, daß Berlin nicht so steinern ist, wie es häufig dargestellt wird, die Karawane der Tagestouristen allerdings zieht durch die alte und neue Mitte. Dabei ist nicht nur die Architektur der neuen Paläste einen Blick wert, Berlins historische Gärten sind keinesfalls Wildwuchs. Vierzig Prozent des Stadtgebietes sind Wasser und Grün: Seen, Flüsse, Kanäle, Stadtgärten, Volksparks, Städtische Plätze und Friedhöfe. Die denkmalgeschützten Gartenplätze sind den meisten Gästen unbekannt und haben doch viel Aufmerksamkeit verdient. Hunderte gibt es, 50 stellt Anke Kuhbier in ihrem Buch vor, macht mit jedem Neugierigen eine Reise durch 300 Jahre Gartenkunst, nimmt dabei den Spaziergänger fachkundig an die Hand.

Der Garten mit dem schönsten Namen, der Lustgarten, war einer der ersten, er wurde schon 1648 vom Großen Kurfürsten angelegt. Nicht von ihm persönlich natürlich, aber den Hohenzollern-Regenten half immer eine Vielzahl fleißiger Gärtner, berühmter wie Peter Josef Lenné und Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, der im Auftrag von Friedrich II. die Neustrukturierung des Tiergartens ausführte.

Berlin war also schon immer eine Gartenstadt. Im 19. Jahrhundert wuchsen die ersten Volksparks, wie der Humboldthain, der Friedrichshain oder der Treptower Park, und Erwin Barth, Stadtgartenbaudirektor im 20. Jahrhundert, hinterließ Parks und Stadtgartenplätze, unter ihnen den Savignyplatz und den Brixplatz. Wer eine kleine Reise an den nördlichen Berliner Stadtrand macht, findet dort den Garten des Buddhistischen Hauses, den der Indienreisende Paul Dahlke in den Zwanziger Jahren gestaltete. Im Süden der Stadt liegt der Gutspark von Britz, im Osten der Biesdorfer Schlosspark.

Die Reise in die gärtnerischen Anlagen ist meist auch eine Begegnung mit der Kunst. Der Naturfreund findet mal eine Villa oder sogar ein Schloß, Brunnen und Fontänen, einen Teepavillon zum Verweilen und eine Unzahl erotischer oder herziger Putti. Wem das nicht Kunst genug ist, dem gibt die Autorin am jeweiligen Gartenausgang einen oder mehrere am Wege liegende Tipps: ein Museum zum Lernen, ein Geschäft zum Stöbern oder ein Restaurant zum Speisen. Der oberste Gartendenkmalpfleger Klaus von Krosigk zitiert in der Einleitung des Buches Heinrich Krögens schon zweihundert Jahre alte und noch zeitgemäße Beschreibung: "Die Abwechslung durch Bäume auf den Straßen, vorzüglich die Linden, sind eine wahre Augenweide. Übrigens, die angenehmen Gänge am Wasser, das Gewühl von Menschen, welches oft bis spät in die Nacht dauert, die Menge Gärten in der Vorstadt, deren man vierhundert zählt und die meistens sehr schön und mit Geschmack angelegt sind, belustigen einen Fremden ungemein." Dem schließen wir uns an und empfehlen "Berlin Grün" fürs Handgepäck.Anke Kuhbier: Berlin Grün. Historische Gärten und Parks der Stadt. L&H Verlag. Hamburg 2000. 182 Seiten, 29,80 Mark.

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