Kultur : Die Literatur-Nobelpreisträger deutscher Sprache

1901: Theodor Mommsen

Der Historiker (1817-1903) war der zweite Literatur-Nobelpreisträger überhaupt. Sein Hauptwerk ist die "Römische Geschichte" in fünf Bänden. Nicht nur die Akademie, auch er selbst sah den Schriftsteller im Wissenschaftler: "Die Phantasie ist wie aller Poesie so auch aller Historie Mutter."

1908: Rudolf Christoph Eucken

In der Gattung getäuscht hatte man sich bei dem Philosophen Eucken (1846-1926). Wie das wohl kam? Seine "Grundlinien einer neuen Weltanschauung", die Beschwörung einer von der Moderne unerschütterten Geisteswelt, waren kurz zuvor ins Schwedische übersetzt worden.

1910: Paul Heyse

Als Lyriker ein Fehlgriff: Heyse (1830-1914) schrieb wehmütige Verse für ein trostbedürftiges bürgerliches Publikum und hat seine Verdienste eher als Übersetzer.

1912: Gerhart Hauptmann

Im Jahr zuvor hatte der große Dramatiker (1862-1946) in Berlin "Die Ratten" uraufführen lassen. Der Preis galt einem Bühnenwerk, das den Naturalismus-Begriff geprägt hat - nicht nur durch "Die Weber".

1929: Thomas Mann

28 Jahre nach den "Buddenbrooks" und fünf Jahre nach dem "Zauberberg" ahnte Mann (1875-1955) noch nicht, dass ihn die Nazis ausbürgern wollten.

1946: Hermann Hesse

Als Deutscher geboren, als Schweizer ausgezeichnet: Hesse (1877-1962) hatte 1943 mit dem "Glasperlenspiel" 1943 die Summe seines Denkens vorgelegt. Seine Leser halten es bis heute lieber mit früheren Romanen wie dem "Steppenwolf" von 1927.

1966: Nelly Sachs

Als Deutsche geboren, als Schwedin ausgezeichnet: Die jüdische Lyrikerin (1891-1970) versucht, Auschwitz in mystischen Sprachfiguren zu reflektieren.

1972: Heinrich Böll

Der bedeutendste Chronist des Nachkriegslebens - und ein großer Kirchenfeind. Böll (1917-1985) hatte ein Jahr zuvor "Gruppenbild mit Dame" veröffentlicht, das seine zentralen Motive noch einmal bündelt.

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