Kultur : Die Luft brennt

Afrikanische Szenen beim „Tanz im August“

Sandra Luzina

Sie tanzt, so sagt Germaine Acogny, „gegen die Bosheit, Anmaßung und die Dummheit, gegen Zahnschmerzen und Liebeskummer“. Auf der Bühne raucht sie aber erst einmal in aller Seelenruhe ein Pfeifchen. Sie ist die Nomadin in gelbem Umhang, die kurz rastet und dann weiterzieht. Die Jägerin auf der Pirsch. Langsam zieht sie uns in eine fremde, dunkle Welt hinein.

Die Senegalesin Germaine Acogny hat bei Béjart studiert, einige Jahre leitete sie die Schule Mudra Afrique. Das spirituelle Erbe Afrikas verbindet sie mit dem strukturellen Denken des Westens. Ihr Solo „Tchouraï“ im Podewil ist ein aufwühlendes Ritual. Acogny hat das Herz einer Kämpferin. Wo sie ihren Schritt hinlenkt, da brennt die Luft vor unsichtbaren Energien. Ihr starker Körper durchläuft wundersame Verwandlungen: Eine zitternde Erregung ergreift von ihr Besitz. Dann wieder schüttelt sie ihr Becken übermütig. Verzückung und Versenkung – Acogny auf ihrem Weg zu folgen, immunisiert gegen allerlei postmoderne Mätzchen, auch im Tanz.

Der kleine Afrika-Schwerpunkt beim Berliner Festival „Tanz im August“ will aber nicht nur Gegengift sein zum westlichen Kunstbetrieb. Boyzie Cekwana aus Südafrika zettelt mit seiner Partnerin Desiré Davids in „Cut“ zunächst eine spielerische Identitätssuche an. Seine Afro-Perücke ist ein ironischer Verweis: Das authentische Afrika ist hier nur noch Echo und Zitat, ein Spuk in den Körpern. Bis das Paar die nackten Füße auf die ausgerissenen Seiten eines Geschichtsbuchs setzt. Erhellendes Doppel: Germaine Acogny ist sich ihrer afrikanischen Roots gewiss. Cekwana erzählt vom Riss in der Tradition. Hier will Geschichte erst noch geschrieben werden.

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