Kultur : Die Macht des Schnickschnacks Zum Start: Streit an der Scala

Henning Klüver

Wenn am 7.Dezember, dem Tag des Mailänder Stadtheiligen St. Ambroglio, offiziell die Saison der Mailänder Scala mit Rossinis Oper „Moses und Pharao“ (Regie: Luca Ronconi) startet, wird man nur lächelnde Gesichter im berühmtesten Opernhaus Europas sehen. Dabei tobte in den vergangenen Monaten ein unschöner Streit an der Spitze des Teatro alla Scala, der jetzt mit einem Kompromiss - vorerst - geschlichtet wurde.

Zwischen dem Intendanten Carlo Fontana und dem musikalischen Leiter Riccardo Muti hing der Haussegen schief: Muti, der sich bis heute in der Öffentlichkeit nur in Andeutungen äußert, soll Fontana eine zu „seichte“ Programmpolitik vorgeworfen haben. Fontana verteidigte sich mit dem Argument, er müsse derzeit schließlich 600 Plätze mehr pro Aufführung verkaufen, da die Scala während der Renovierung ihres Stammhauses seit zwei Jahren in einem Ausweichquartier am Mailänder Stadtrand spielt. Die Scala ist in der vergangenen Spielzeit in die roten Zahlen gerutscht. Auch wegen der Umzugskosten hat es bei einem Gesamtetat von 114,7 Millionen Euro ein Minus von 3,9 Millionen Euro gegeben.

Womit füllt man also 2400 Plätze? Eine Aufführung des Musicals „Cats“ hatte Muti noch mit einem Machtwort verhindern können. Aber der nächste Spielplan mit vielen Wiederaufnahmen alter Opernproduktionen wurde allenthalben als viel zu leichtfüßig für eine Bühne angesehen, die sich immer noch als das „bedeutendste Opernhaus der Welt“ (Fontana) versteht. Nach heftigen Auseinandersetzungen hinter den Kulissen hatte Maestro Muti offensichtlich mit seinem Weggang gedroht, wenn Fontana nicht sofort oder spätestens mit der Spielzeit 2004/2005 – dann soll das Traditionshaus nach dem Umbau wieder eingeweiht werden – sein Amt niederlege.

Nun hat man sich darauf geeinigt, den von Muti als Fontana-Nachfolger favorisierten Mauro Meli, einen Musiker und Kulturmanager aus Cagliari, ab sofort zum künstlerischen Leiter der Scala zu berufen. Meli, der in den vergangenen Jahren als Intendant die Oper in Cagliari zu einer der interessantesten Bühnen Italiens gemacht hatte, soll für die Programmpolitik ab Dezember 2004 verantwortlich sein. Carlo Fontana bleibt jedoch bis zum Vertragsende im November 2005 auf seinem Posten. Er könnte dann durch Meli ersetzt werden.

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