Kultur : Die Mauerbrecher

Baselitz, Nauman, Roth: Die Flick-Schenkung weckt Hoffnung für den Hamburger Bahnhof.

Nicola Kuhn

Kurz nach Bekanntgabe der 166 Werke umfassenden Schenkung von Friedrich Christian Flick am Mittwoch folgten auch schon die Dankesadressen von seiten der Politik. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit nannte die Gabe eine „großzügige Geste“ und ein „kraftvolles Bekenntnis zum Kunststandort Berlin“. Erleichterung ist aus diesen Worten herauszulesen, denn der auf sieben Jahre befristete Leihvertrag der FlickCollection mit dem Hamburger Bahnhof hat gerade seine Halbzeit erreicht. Die Hoffnung auf einen dauerhaften Verbleib des 2500 Arbeiten umfassenden Konvoluts wird damit zumindest genährt. Schließlich waren die dem Museum für Gegenwart benachbarten Rieck-Hallen eigens für den Einzug der zuvor in Zürich beheimateten Sammlung umgebaut worden.

Auch wenn die jetzige Schenkung nur einen Bruchteil der von Flick nach Berlin gegebenen Bestände umfasst, so liest sich die Liste doch wie ein Who-is-Who der internationalen Kunst. In seiner Bedeutung kommt das Paket einem eigenen kleinen Museum gleich, in seinem Wert wird es vorsichtig auf 30 Millionen Euro taxiert. In ihrer Summe gilt die Flick-Collection als eine der weltweit größten und besten Sammlungen zeitgenössischer Kunst. Durch die kuratorisch anspruchsvollen Präsentationen in den letzten Jahren – mal thematisch gefasst etwa zum Bereich Video oder Minimal Art, mal in Solo-Shows wie zuletzt für den Schweizer Feuerwerker Roman Signer – hat sie in der Kunstwelt ihren letzten Ritterschlag erfahren.

Der überwiegende Teil der nun endgültig für Berlin bestimmten Werke ist dem Publikum von vergangenen Ausstellungen bekannt. In Erinnerung dürften vor allem Paul McCarthys „Saloon Theater“ mit seinen Erotika und Bruce Naumans Korridorskulptur „Room with My Soul Left Out, Room That Does Not Care“ sein, von der es zeitweilig fälschlicherweise hieß, sie sei in den Handel gelangt. Solche Befürchtungen haben sich mit der Schenkung erledigt – nein, dieses spektakuläre Werk bleibt endgültig in der Stadt.

Gerade dadurch zeichnet sich die Flick-Collection aus: dass Künstler in ganzen Blöcken und raumsprengenden Installationen gekauft worden sind. Allein diese überbordende Fülle, die schiere Größe sorgen für die stärksten Eindrücke – etwa bei Dieter Roths „Gartenskulptur“, einer gewaltigen Rauminstallation von rund vierzig Metern Länge, oder bei Isa Genzkens und Wolfgangs Tillmans Gemeinschaftsarbeit „Hier und jetzt zufrieden sein“: Auf gigantischen Spiegelwänden wird die Fotografie eines entleerten Partyraums reflektiert.

Bei der Auswahl der 44 Künstler umfassenden Schenkung habe vielfach auch ein Zusammenhang mit Berlin oder Deutschland eine Rolle gespielt, erklärte der sogleich nach Zürich zurückgekehrte Sammler. Eine herausragende Bedeutung kommt dabei dem 1966 von Georg Baselitz gemalten „Hirten“ zu, der auch als „Mauerbrecher“ bezeichnet wird. Das Beispiel Baselitz zeigt, wie stark die Staatlichen Museen auf ihre Sammler setzen. In der Neuen Nationalgalerie war der Künstler bislang nur unzureichend vertreten. Flick hatte das so erklärt: „Ich trenne mich von so vielen meiner Lieblingsstücke mit Freude ebenso wie mit etwas Wehmut, besonders aber mit ganz großem Vertrauen in Berlin – wissend, das Richtige zu tun für die Künstler und das Museum.“

Kunstsammlung Flick Collection für Berlin Foto: dpa
Friedrich Christian Flick. -Foto: dpa

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