Kultur : Die Mechanik des Gehens

Steffen Richter

lauscht dem Klang der Wörter Es ist schon wahr: Neue, spannende Literatur kommt in letzter Zeit oft aus Osteuropa. Und die Namen von Andrzej Stasiuk, Jáchim Topol oder Juri Andruchowytsch sind mittlerweile in aller Munde. Doch auch hinter diesen Bannerträgern des neuen Ostens gibt es einiges zu entdecken. Zum Beispiel Milena Oda .

Die 1975 bei Prag geborene Tschechin lebt in Berlin. Sie übersetzt, dolmetscht und schreibt – auf Deutsch – Prosa und Theaterstücke. Und wie sie schreibt! Hier wird kein Wohlstandsekel in die Tastatur gehämmert, hier werden keine marktgängigen Boy-meets-girl-Geschichten erzählt. Dagegen spürt man hinter jedem Satz eine existentielle Obsession, die sich in Creative-Writing-Kursen eben nicht erlernen lässt. Vielleicht ist Oda gerade deswegen vor drei Jahren haarscharf am Gewinn des Open Mike vorbeigeschrammt: Zu unkonventionell klingen ihre Erzählungen. In „Auf Schritt und Tritt“ wird ein akribisches Schrittsystem entworfen, das die Mechanik des Gehens mit der menschlichen Psyche zu einer veritablen Kosmologie verkoppelt. Und in „Ich heiße Diener“ verzichtet der Protagonist auf alle beängstigende Freiheit, um Diener zu sein. Am 16.6. (20 Uhr) liest Milena Oda im KunstRaum Berlin (Plantagenstr.9, Wedding).

„Weltklang – Nacht der Poesie“, unter dem etwas blumigen Motto startet das Poesiefestival . Wie üblich zählt am 18.6. (20 Uhr) auf der Bühne am Potsdamer Platz nur der Klang: Gedichte werden in der Originalsprache vorgetragen, Übersetzungen liegen parat. Das heißt, dass die amerikanische Performance-Künstlerin Laurie Anderson als Star des Abends auf Englisch vorträgt, Michel Deguy auf Französisch und Lutz Seiler auf Deutsch. Außerdem gibt es neben serbischer und koreanischer Lyrik auch spanischsprachige Poesie zu hören. Die steht im Zentrum des Festivals (bis 26.6.). Trotz aller Neuigkeiten aus dem Osten sage also keiner: im Westen nichts Neues.

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