• "Die Meinung des Dorfes": Die Musikerin Stefanie Ressin kommt bei ihrem ironischen Spiel mit den Wahrnehmungswelten und künstlerischen Techniken ohne Worte aus

Kultur : "Die Meinung des Dorfes": Die Musikerin Stefanie Ressin kommt bei ihrem ironischen Spiel mit den Wahrnehmungswelten und künstlerischen Techniken ohne Worte aus

doris Meierhenrich

"Was geht hier eigentlich vor?" wird sich jeder fragen, der in der Akademie der Künste sitzt und einen Theaterabend des Festivals Z 2000 (bis 20.8.) erlebt. Dann aber wird er die Prüfung schon bestanden haben, denn es klopft gegen den Schädel. Und sieht man sich selbst beim Sehen zu, so der Kurator Henning Fülle, ist Theater erfolgreiche "Wahrnehmungskunst". So mögen das auch die meisten der elf geladenen Theaterkünstler sehen, weshalb sie sich Performer nennen und lieber moderieren und Videos mit Elektrosounds arrangieren, als etwas vorzuspielen. Dass man dabei nie aus der Spannungskurve fallen kann, weil es keine gibt, ist das intellektuelle Vergnügen dieses Moderatoren-Theaters. Die Hamburger Musikerin Stefanie Ressin kommt bei ihrem ironischen Spiel mit den Wahrnehmungswelten und künstlerischen Techniken in Die Meinung des Dorfes ohne Worte aus. Zu ihrer modulierten Keyboardmusik mit Tuba filmte sie 21 Kurzvideos: ein Hund läuft eine Straße entlang, und als liefe er mit der Kamera um die Wette, sieht man drei Minuten lang nur seine hechelnde Schnauze und die gehetzten Augen. Ob sie den Hund oder der Hund die Kamera antreibt - Ameisen in Nahaufnahmen, Käfer, ihre Zeichnungen auf Papier und ihre Weingummivarianten in grün und gelb geben die undramatische Antwort. Die Tuba bläst den 3/4 Takt dazu, und der Sound summt und flattert wie ein Hubschrauberpropeller. Der dramatische Wettlauf zwischen Realität und ihrer Fiktion ist eben eine komische Erfindung.

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