Kultur : Die mit dem Teufel tanzt

KINO

Frank Noack

Christina Ricci ist auf dem besten Weg, eine Linda Blair für Anspruchsvolle zu werden. Wie der „Exorzist“-Star verfügte sie bereits mit 10 Jahren über einen bösen Blick, der in der „Addams Family“ für Gänsehaut sorgte. Jetzt ist sie 23, aber ihr Gesicht ist kindlich geblieben. Nicht niedlich-kindlich. Eher sieht sie aus wie ein Kind, das dem Teufel begegnet ist. In ihrer neuesten Rolle in The Gathering von Brian Gilbert überzeugt sie mühelos als Untote, die gleich in den ersten Minuten einer Hausfrau (Kerry Fox) vors Auto rennt und durch die Luft fliegt. Sie müsste tot sein, erwacht jedoch im Krankenhaus ohne einen Kratzer. Außer dass sie sich Cassie nennt, weiß man nichts über sie.

Bis der Ehemann der Unfallfahrerin, zufällig Kunsthistoriker (Stephen Dillane), eine gruselige Entdeckung macht. Cassie und ein paar andere Gestalten sind auf Gemälden und Fotos zu sehen – als Zuschauer bei der Kreuzigung, bei Lynchmorden an Schwarzen, beim Attentat auf Kennedy. Steht wieder eine Katastrophe bevor, die Cassie mit ansehen möchte? Oder will sie ihre Kraft nutzen, um das Böse zu bekämpfen? Sind alle Schaulustigen mitschuldig? Lauter interessante Fragen, die der Film aufwirft. Sogar Gilberts hausbackene Regie erscheint vorübergehend als Pluspunkt, da sie auf grelle Effekte verzichtet. Dass ausschließlich bei trübem Wetter in trostlosen englischen Dörfern gedreht wurde: keine schlechte Idee.

Dennoch verschenkt der Film sein Potenzial und verspricht mehr, als er bieten kann. Selbst eine so starke Darstellerin wie Kerry Fox muss pausenlos besorgt tun. Da leiht man sich doch lieber ein Video mit Linda Blair aus. Die leistet sich wenigstens richtigen Trash – statt halbseriöser Durchschnittsware. (in 9 Berliner Kinos, OV im CineStar Sony-Center)

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