Kultur : Die Montagsglosse von Hellmuth Karasek

HELLMUTH KARASEK

Immer, wenn der Juli in den August übergeht, fällt mir die Weisheit der Natur ein, die uns nicht nur zehn Finger gegeben hat, damit wir das "Rach 9" spielen können, eventuell, ich allerdings weniger.Sondern damit sie uns auch dem Dezimalsystem anpaßt, mitsamt Ringfinger, Zeigefinger, Stinkefinger.

Noch weiser ist die Natur mit den Fingerknöcheln verfahren, und wenn mich meine Frau im Urlaub fragt, weil wir am 1.August zurückmüssen, wieviel Tage der Juli hat, dann schau ich auf meine Fingerknöchel und beginne mit dem Zeigefinger der Rechten die Knöchel der Linken abzutasten - Berg - Tal - Berg - Tal.Für jeden "langen Monat" hat mich die weise Natur mit einer Knöchelerhebung, für jeden "kurzen Monat" mit einem Tal zwischen zwei Knöcheln ausgestattet.Wie weise!

So weise, daß ich mir manchmal einbilde, das Tal zwischen dem Januar-Knöchel (linker Zeigefinger) und dem Märzknöchel (diese Knöchelerhebung heißt medizinisch auch: linker Effenberg) sei ein besonders tiefes Tal, weil der Februar bekanntlich, Sie wissen schon!

Nur eines kann die Natur nicht ganz, wie ich "Rach 9" nicht ganz kann: sie kann durch die Handvertiefungen kein Schaltjahr ankündigen.Aber meine Uhr kann das auch nicht, und da ich immer vergesse, meine Uhr nach den Knöcheln zu stellen, zeigt sie mir ohnehin ein Datum, das nie stimmt, also schau ich erst gar nicht hin.

Aber jetzt wieder von der menschlichen Unzulänglichkeit zurück zur Weisheit der Natur.Wir haben nämlich an einer Hand (und zwar an jeder) vier Knöchel und drei Vertiefungen, und das reicht natürlich für die zwölf Monate nicht hin und nicht her.Fast habe ich manchmal den Verdacht, die Natur hat uns nur deshalb zwei Hände gegeben, damit es mit den Monaten reicht, und meine Mutter und mein Vater fallen mir ein, die in meiner stürmischsten Entwicklungsphase, der sogenannten Kindheit, mich nachdenklich anschauten, dann sich, um dann sorgenvoll zu sagen: "Du, ich glaube, der Bub hat zwei linke Hände!"

Und zu dem Gesicht, das ich dann machte, sagte meine Mutter, ob ich mit dem linken Fuß aufgestanden sei.Bis heute kann ich deshalb, um mit Jandl zu sprechen, "lechts und rings" immer "verwechsern", "werch ein Illtum!"

Doch wieder zurück von menschlicher Schwäche zur weisen Natur.Wie wir wissen, wechseln die zwölf Monate, lang, kurz, lang, kurz, so richtig alternierend.Auf einen kurzen April folgt ein verregneter Mai, auf einen kurzen November eine weiße Weihnacht im Dezember.Immer zuerst lang (Januar), dann kurz Februar.Unerbittlich.

Nur ein einziges Mal macht die Natur, macht der Kalender eine Ausnahme.Vom Juli zum August.Hier folgt lang auf lang.Und nun lieber Leser, legen Sie Ihre Hände fromm nebeneinander, denn der liebe Gott sieht alles! Und zählen sie Knöchel, Knöcheltal, Januar, Februar und so weiter.Und wenn eine Hand zu Ende ist, nehmen Sie die nächste.Es stößt Knöchel auf Knöchel, lang auf lang.Und auf Ihrer Hand ist es erst Juli und dann August.

Früher nannte man das eine Eselsbrücke.Ich nenne es die Weisheit der Natur.Die ist ja auch so weise, daß der Wolfgangsee nicht überlaufen kann.Und wenn noch so viele Kohls und Schlingensiefs drinnen baden, zwischen Juli und August.

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