Kultur : Die Montagsglosse von Hellmuth Karasek

HELLMUTH KARASEK

Deutschland ist nicht Amerika, und um eventuelle Spermienflecken auf Cocktailkleidern wird hierzulande nicht so viel Aufhebens gemacht, selbst dann nicht, wenn die eingetrockneten Ejakulate von hohen Würdenträgern aus Kirche, Staat, Gesellschaft und Wirtschaft herrühren.Schließlich und letztendlich gibt es chemische Reinigungen, und unser Bundesverfassungsgericht muß sich zwar mit der Rechtschreibung abrackern - aber Samenergüsse auf Kleidern von Volljährigen, die mit deren billigenden Einverständnis herbeigeführt worden sind, - das nun doch nicht!

Trotzdem.Kürzlich erzählte mir ein Reporter der "Bunten" (Name der Zeitschrift von der Redaktion geändert) unter dem Siegel höchster Verschwiegenheit, bei ihm hätten sich gleich zwei junge Frauen gemeldet und ihm angeboten, ihren Hosenanzug respektive ihre Bluejeans vorbeizubringen, um sie für eine gentechnische Untersuchung zur Verfügung zu stellen.

Die eine, Barbara Bläser (Name von der Redaktion belassen), habe mehrere Monate als Aushilfskraft im Bonner Kanzleramt gearbeitet.Die vollschlanke Fünfundzwanzigjährige, Eltern geschieden, Bruder in der Heilsarmee, habe als Botin Post durch die diversen Gebäude und Stockwerke getragen, habe dabei mit einem offenen Mund sinnlich gelächelt und sei so auch in die Nähe des Kanzlers geraten.Gelegentlich.Auf ihren Hosenanzug sei, in Brusthöhe, rechts, ungefähr 12 Zentimeter unter dem Revers ein Fleck, behauptet sie.Ein Fettfleck - Saumagenfett.Und, so Barbara B., dieser Fettfleck stamme vom Kanzler.Es sei eindeutig des Fett des Regierenden, gentechnisch einwandfrei.Das Bundeskriminalamt werde das schnell mittels Genfingerprint beweisen können."Wenn das wahr wäre, bekäme der Kanzler sein Fett weg", sagte der Reporter, "und die Wahl wäre endgültig verloren.Für ihn."

"Aaaber", erzählte mir der Kollege von der "Bunten" (Name von der Redaktion geändert) weiter, da gäbe es eine zweite Geschichte.Aus Niedersachsen.Aus Hannover.Von einer schmalen, zarten kleinen Aushilfskellnerin mit auffallend starken Zähnen.Sie habe (ihr Name tut nichts zur Sache und wird von der Redaktion wegen der Gefahr der Ausländerdiskriminierung verschwiegenh), so erzählt sie dem Reporter, der es mir erzählte, auf ihren Jeans im oberen Teil einen Fleck.Einen Curry-Fleck.Von einer Currywurst.Und daß er, ein Speicheltest würde es beweisen, von einer vom Kandidaten hastig und mit Heißhunger ..."Nicht auszudenken", sagte der Reporter, "wenn das rauskäme! Dann hätte der Kandidat sozusagen einen Fleck auf seiner weißen Weste, würde die Wahl verlieren und müßte sogar vielleicht erneut heiraten.Schon wieder! Der Ärmste!"

"Aber Deutschland ist nicht Amerika" sagte ich."Wir sind weder so prüde und deshalb auch nicht so sexuell überreizt.Nur in einem Weißen Haus stört jeder Fleck."

"Da haben Sie auch wieder recht", sagt der Kollege von der "Bunten"."Deshalb habe ich den beiden jungen Frauen auch entsprechende Fleckenentfernungsmittel empfohlen." Der Reporter seufzte: "Ja, wenn es das Cocktailkleid eines Generals oder Ministers gewesen wäre, dann! Das hätten wir dann sogar unbefleckt veröffentlicht."

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