Kultur : Die Montagsglosse von Hellmuth Karasek

HELLMUTH KARASEK

Kennen Sie die Geschichte von dem Ehemann, der abends spät nach Hause kommt? Nein? Dann will ich sie Ihnen erzählen.Also.Der Mann also kommt lange nach Mitternacht nach Hause, die erboste Gattin steht in der Tür und fragt: "Wo warst Du so lange?" Der Mann gibt sich einen Ruck und antwortet: "Wenn du mich schon so fragst, muß ich dir ehrlich gestehen: Ich war bei einer Frau, meiner Freundin".Die Frau blickt ihn kurz von oben bis unten an, um dann zu sagen: "Angeber! Du warst sicher wieder nur mit deinen Kumpels kegeln!"

Eines steht fest.Clinton kann der Mann nicht geheißen haben, denn erstens steht fest, daß "ehrlich" und "gestehen" nicht gerade die Wörter sind, die der Präsident gerne in den Mund nimmt ("in den Mund nehmen" - im Zusammenhang mit Clinton wird jede harmlose Phrase sofort schlüpfrig).Und, weil, zweitens, das Clintons Tragödie ist, daß der Mann aus Arkansas nur deshalb hoch hinaus wollte, weil er dachte, Mensch, dann kriegst du alle scharfen Bienen als Konkubinen, die du so nicht rumkriegst.

Teil eins des Komplotts klappte.Clinton kam nicht nur groß raus, er wurde der größte, der höchste: Präsident der Weltmacht Nummer Eins, Herr über Raketen und Sprengköpfe, dem per Knopfdruck alles, was da kreucht und fleucht, untertan ist.Ist? War!

Denn der zweite Teil des Plans ("Weiber satt", und das "rund um die Uhr") klappte nicht.Denn da war zunächst das blöde Regieren, das dem Eregieren lästig im Weg stand.Und dann waren da die Bodyguards, die ihn bewachten und abschirmten, so daß ihn niemand fragen mußte: "Wo warst Du?" Jeder wußte es, und manche mit dunklen Sonnenbrillen, pistolenprall gefüllten Gesäßtaschen und kräftigem Bizeps unter den Blazer-Ärmeln waren immer dabei oder lümmelten zumindest, einen Zahnstocher zwischen den Zähnen, im Vorzimmer herum.Eine Tragödie! Da angelangt zu sein, wo man alles kann und doch nix können darf.Am Ziel und doch in die Hose! Und dann war da noch das Schlimmste: die gnadenlose Öffentlichkeit!

Aber in Clintons Tragödie stirbt kein Held, weil er zwar am Ende mausetot ist, aber getötet durch die Lächerlichkeit.Kann Lächerlichkeit töten? Sie kann.Clinton ist an einem Stich einer Konkubiene Maja (politisch) gestorben.In Amerika laufen Mädchen mit T-Shirts herum, schwarzen T-Shirts, die ein weißer Spradderfleck verunziert (aufgedruckt natürlich), und darüber ist zu lesen: "I met the President", ich bin Clinton begegnet, ich habe ihn getroffen, er hat mich getroffen."Zegna"-Krawatten (ja, solche, wie sie ihm seine junge Flamme schenkte) sind ausverkauft, und keine TV-Sendung vergeht, in der über die Zoten des Präsidenten nicht zotige Witze gerissen werden.

Nein, auf dem Felde der Ehre ist dieser Präsident nicht gefallen, die Öffentlichkeit hat ihn einer tödlichen Lächerlichkeit preisgegeben.Jetzt bleibt nur noch eins zu hoffen: Daß die Schande auch seinen lächerlich bigotten Jäger namens Starr erledigt, der, wenn er zu spät nach Hause kommt, immer sagen kann, er komme vom Bibellesen und Präsidenten-Jagen und der sich damit brüstet, er habe zum ersten Mal in seinem Leben an seinem Hochzeitstag mit einer Frau getanzt.Getanzt! Ein so schmuddeliges T-Shirt, das zu diesem sauberen Herrn paßt, mag man sich nicht ausmalen.

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