Kultur : Die Montagsglosse von Hellmuth Karasek

HELLMUTH KARASEK

Wenn man auf Lesereise durch deutsche Städte fährt, trifft man auf Goethe, zwangsläufig, und das wäre auch ohne Goethe-Jahr so.Nicht etwa nur in Weimar oder Frankfurt, das wäre langweilig.Aber zum Beispiel in Nördlingen im Hotel Sonne.Das Hotel gibt es seit dem 14.Jahrhundert und Kaiser Maximilian hat hier geschlafen und dann eben Goethe, ein paar hundert Jahre später.Er war auf dem Weg nach Würzburg, Wein kaufen.Am Morgen, wenn hinter dem Haus die Straßenbaumaschinen dröhnen, steckt man den Kopf unter die Dusche, heiß, kalt, heiß, kalt ("mir ist so kannibalisch wohl als wie 500 Säuen" - der große Meister, konnte sich nicht zwischen "als" und "wie" entscheiden), überkommt einen unter dem Shower ein Schauer: ob Goethe hier auch geduscht hat, heiß oder kalt? Und Kaiser Maximilian? Egal, aber die Treppe ist wirklich von damals, mit zwei Würzburger Bocksbeuteln (was Goethes tägliches Wein-Pensum war) im Leib möchte man die nicht runterwanken, die steile Stiege, ein Alptraum für jede Unfallversicherung.

Am nächsten Tag in Weiden in der Oberpfalz.Der freundliche Kulturdezernent, der im alten Rathaus in einem wunderbaren mittelalterlichen Haus residiert, führt mich auf den Platz."Da", sagt er, "sehen Sie das Haus mit der Vierfensterfront?" Und fährt fort: "Goethe." "Hat der hier übernachtet?", frage ich."Fast", sagt mein oberpfälzischer Cicerone.Er war hier eine halbe Stunde, in der Poststation.Da mußte er warten.Die Pferde wurden gewechselt.Er hat das auch geschrieben." Aber, erläutert mein Gastgeber mir Goethen, er hat nicht "Weiden" geschrieben, sondern "Weyda".Weil er aus Thüringen kam, und dort heißen die Orte eher "Weyda" oder "Weida" als wie Weiden.

Olle Joethen, denke ich, Weida und als wie.Also die Rechtschreibereform hätte der nicht bestanden! Und ich übernachtete in Weiden.Während vor dem Hotel die Pferde verwechselt wurden.

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