Kultur : Die Montagsglosse von Hellmuth Karasek

HELLMUTH KARASEK

"Name ist Schall und Rauch", befand Goethe und meinte damit weder den klassizistischen Bildhauer Christian David Rauch, seinen Zeitgenossen.Noch konnte er Ekkehard Schall meinen, unseren Zeitgenossen, den Schwiegersohn Brechts und lauttönenden Schauspieler.Nein, er meinte natürlich, daß Namen Schall und Rauch sind.Es ist wie in Shakespeares "Romeo und Julia", wo Romeo seinen Namen auch anzweifelt: "Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften."

Ganz so ist es nicht.Ich will hier nicht daran erinnern, daß unsere Vorfahren, hätte Hitler nicht Hitler, sondern Schicklgruber geheißen (wie sein unehelich geborener, später zu "Hitler" legalisierte Vater), sich vielleicht, vielleicht, nicht hätten dazu nötigen lassen "Heil Schicklgruber!" zu grüßen, obwohl auch "Heil Hitler!" ziemlich blöd klingt, zumindest im nachhinein.

Nein, jetzt, da der Bundespräsidenten-Anwärter Johannes Rau sich dem Vorschlag von Richard Schröder in der Mahnmal-Debatte angeschlossen hat, fällt mir eine Geschichte aus allerjüngster Vergangenheit ein, der Zeit, als Lafontaine noch das Sagen hatte in der SPD und also in Deutschland.Da tauchte, nicht nur in der SPD, neben und gegen Rau, der Name Richard Schröders auf.Denn natürlich gab es Bedenken gegen Rau, gegen sein Alter und daß das höchste Amt dann wie eine späte Entschädigung erscheinen könnte, als ein Bonus für NRW, ein Trostpflaster für den ungeliebten Schröder.Gerhard Schröder.

Vieles sprach für Richard Schröder.Er ist hochgebildet, hat Humor, Witz, Standfestigkeit, die Gabe der Rede, ist tolerant und kämpferisch, er wäre als "Ossi" ein Mann des Ausgleichs an höchster Stelle gewesen.

Sie sehen, liebe Leserin, lieber Leser, ich gerate ins Schwärmen, und als ich einmal so, in abendlicher Runde, mit ein paar SPD-Politikern schwärmte, der Wein hatte die Sinne geschärft, sagte einer der Politiker ziemlich nüchtern: "Alles schön und gut! Nur dürfte er dann nicht Schröder heißen!"

Weil wir dann nämlich zwei Schröders hätten, an der Spitze des Staates, den Kanzler Schröder und den Präsidenten Schröder.Und wenn in der Zeitung stünde, "Schröder sagte", würden wir fragen: "Um Gottes Willen! Welcher von beiden denn?" Und nur wenn man dabei erwähnte: "Schröder sagte in "Wetten daß ...Ô", wußten wir, gemeint kann nur der Kanzler sein.Und dann die Verwirrung im Ausland! Schröder? Schröder.Schon der Umlaut ö! Köhl statt Kohl! Und dann das Ganze zwei Mal! Schröder! Ham die denn keine anderen Namen, die Deutschen, außer Schulz, Müller, Meier, Harald Schmidt und Schröder!

Nun hätte man ja auch Schröder-Wipperfürth oder Schröder-Hannover wählen können oder so.Oder Schröder hätte seinen Mädchennamen Köpf geführt.Umlaut! Köpf statt Kopf! Aber das wollte man mit so hohen Staatsämtern nicht riskieren.Und so kam es, daß Lafontaine, als er selber nicht mehr Kanzler werden konnte und das einzusehen schien, Rau statt Schröder, in Klammern: Richard, vorschlug.Ich träume eine Weile, was sonst wäre, wenn Richard Schröder Kandidat geworden ...Also wäre aus Proporzgründen (nicht zwei Ossis in zwei höchste Ämter) Thierse nicht Bundestagspräsident geworden, und dann müßte sich der Reichstag auch nicht Bereichstag schimpfen lassen.

P.S.Mir ist selbstverständlich bekannt, daß seriöser Journalismus Namenswitze strikt vermeidet.

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