Kultur : Die Nachfrage war noch nie so groß Bilanz des

10. Art Forum Berlin

Katrin Wittneven

Von einer Messe bleiben naturgemäß Zahlen: sechs Tage Art Forum mit 129 Galerien aus 25 Ländern und Werken von 1500 Künstlern. Über die Qualität sagen solche Angaben wenig aus. Für sie können auf einer Messe nur zwei Kriterien gelten: Wie wird verkauft und wie gut ist die Kunst? So viel vorweg: Die Nachfrage auf dem diesjährigen Art Forum war größer denn je. 30000 Besucher kamen insgesamzt, davon knapp 10000 allein am Eröffnungstag; viele Sammler reisten aus Belgien, Dänemark und den USA an.

Wobei auch das Berliner Publikum endlich seine Kunstmesse zu entdeckten scheint und zudem eine neue, sehr junge und wohlinformierte Generation von Sammlern unterm Funkturm zu sehen war. Gegenwartskunst ist momentan heiß und Berlin eines ihrer wichtigsten Zentren. So verwundert nicht, dass die hiesige Galerienszene mit Neueröffnungen von Peres Projects aus Los Angeles und der Galerie Buchmann aus Köln nochmals Auftrieb bekommen hat.

Gleich drei Alternativmessen konkurrierten parallel zum Art Forum um Aufmerksamkeit. Zudem ziehen die Museen vorzüglich mit und geben mit herausragenden Ausstellungen Rückenwind. Immer mehr Sammler finden in Berlin ein Domizil und zeigen gerne, was sie haben. So viel – und so glamourös – wie bei diesem Art Forum hat die Berliner Kunstszene bisher zumindest selten gefeiert.

Die Messe profitiert von diesem Umfeld, in dem schnelle Entscheidungen gefragt sind. Allein von dem chinesischen Maler Fang Lijun konnte Galerist Alexander Ochs ein großes Gemälde für 250000 Dollar nach Shanghai verkaufen, dazu fünf Skulpturen für je 18000 Dollar. Die Nachfrage nach bekannten Größen wie Jonathan Meese ist enorm: Seine Bronzeköpfe erzielen bei Contemporary Fine Arts Preise zwischen 35000 und 50000 Euro. Und doch begehen die Galeristen gerade in Berlin nicht den Fehler, nur die Gier auf die Stars der Szene zu bedienen, sondern bieten noch Ungesichertes und machen Freude am Entdecken. Der Preis dafür ist, dass manchmal die große Geste fehlt und eher kleine – wenn auch feine – Arbeiten in Erinnerung bleiben werden.

Wie bei den beiden Galeristinnen, deren Stände am Ende prämiert wurden: Gitte Weise, die konzeptuelle Zeichnungen von den Australierinnen Pip Culbert und Micah Lexier zeigte, und die Antwerpener Galerie Stella Lohaus, die mit ihrer Präsentation der sich überlagernden Malerei- und Projektionsarbeit von Angel Vergara sowie Animationsfilmen von Wolfgang Plöger gewann. Bewährt hat sich auch die Sonderausstellung, die in diesem Jahr durch den fließenden Übergang mit den Freestyle-Ständen noch besser eingebunden war.

Mehr als 80 Prozent der Aussteller kündigten bereits an, im nächsten Jahr wiederkommen zu wollen, wenn das Art Forum 2006 vom 4. bis 8. Oktober seine Pforten öffnet – und das wiederum ist durchaus als Qualitätsmerkmal zu verstehen.

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