Kultur : Die neue Lässigkeit

Jahresbilanz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Bernhard Schulz

„Einmal Präsident, immer Präsident“, begann Klaus-Dieter Lehmann seine Abschiedsrede bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz am 29. Februar 2008, um auf seine anstehende Übernahme der Leitung des Goethe-Instituts anzuspielen. Lehmann konnte sich diese „Lässigkeit“ – wie er es selbst formulierte – leisten, und sei es nur, weil der Festakt auf seinen nur alle vier Jahre kalendarisch exakt zu begehenden Geburtstag fiel. Lehmann ist so etwas wie ein „Kulturpräsident“ des vereinten Deutschlands geworden, und von welcher der hohen Warten aus er agiert, spielt dabei schon fast keine Rolle mehr.

Von Präsidenten wimmelt das neue, über die Weihnachtsfeiertage (!) erschienene Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz (Band XLIV, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2008, 440 S., 25 €) . Denn nicht nur gilt es, den neuen Präsidenten der Stiftung vorzustellen, der seine ganz eigene Lässigkeit ebenfalls gleich zum Auftakt seiner Rede unter Beweis stellte: „Ich glaube nicht, dass man gerade an diesem Ort noch einmal eigens begründen muss, warum nicht auch einmal ein Archäologe Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz werden kann“ – fand doch der Festakt im Pergamonmuseum statt.

Es gab 2007 – das ist das Jahr, dem das Jahrbuch gewidmet ist – auch das 50-jährige Bestehen der Stiftung selbst zu feiern, wozu die übergroße Festgemeinde am 7. September 2007 allerdings im Konzerthaus um Gastrecht bitten musste. Das einstige Schauspielhaus ist durch seinen Architekten, Karl Friedrich Schinkel, über dessen Alte Museum als Keimzelle der Stiftung eng verbunden.

So fügt sich eins zum anderen. Der Bundespräsident hielt die Festrede, aber man staunt auch im Nachhinein, wie vorsichtig sich Horst Köhler der kulturellen Bedeutung Preußens näherte, als müsste man heute noch rituell Abbitte leisten für den Militärstaat, der Preußen zweifellos auch war. Den „Sonderweg, der geradlinig in die Nazi-Diktatur mit ihren unsäglichen Verbrechen führte“, muss man spätestens seit dem – von Köhler erwähnten – Buch des in England lehrenden Christopher Clark ebenso wenig herbeizitieren wie den lange Zeit etwas zu betont hervorgehobenen „Widerstand gegen Hitler“. Es blieb dem Würzburger Historiker Wolfgang Neugebauer vorbehalten, in seinem Vortrag „Preußen als Kulturstaat“ die gewissermaßen nachholende Modernisierung Preußens darzulegen, das später als der katholische Süden Europas, dann aber umso entschiedener die Kultur als eine Kernaufgabe des Staates erkannt und entsprechend gepflegt hat.

Vor dem Hintergrund der Feierlichkeiten nehmen sich die wie stets akribisch dokumentierten Forschungen der Einrichtungen beinahe nebensächlich aus. Hier muss, ebenso wie für die Berichte zu Baumaßnahmen, im kommenden Jahr Ausgleich gefunden werden. Denn ihren neuen Präsidenten wird die Stiftung lange behalten. Bernhard Schulz

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