Kultur : Die Niedlichkeit kennt keine Grenzen

Nordlicht: die Playmobil-Welten des finnische Fotografen Miklos Gaál

Johannes Wendland

Die Arbeiter auf der Baustelle sind aus großer Höhe fotografiert worden. Bunt verteilt wirken sie wie Spielzeugfiguren in einer künstlichen Landschaft. Mal gruppieren sie sich rund um einen hohen Sandhaufen, mal haben einige von ihnen eine Leiter in ein Loch gestellt, dessen Tiefe sich nicht ergründen lässt. Graubraun ist die Szenerie auf der Baustelle, einzig die gelben Helme und Regenjacken der Bauarbeiter leuchten hervor.

„Construction men“ heißt die siebenteilige Serie, die der 30-jährige finnische Fotograf Miklos Gaál in der Nähe von Helsinki aufgenommen hat, und die jetzt in der Galerie sphn zu sehen ist. Obwohl diesen Bildern etwas zutiefst Unwirkliches anhaftet, sind die Aufnahmen mit einer Großbildkamera entstanden und nicht einmal digital nachbearbeitet worden. Die einzige Manipulation, die Gaál vorgenommen hat, ist eine mechanische: Indem er die Belichtungsplatte in der Kamera leicht knickt, erzielt er auf seinen Bildern einen Kontrast aus Schärfe und Unschärfe. Meist erscheint nur ein kleiner, oft diagonaler Streifen auf seinen Bildern wirklich scharf.

Der Effekt ist eine Welt im Playmobil-Format. Die großstädtische Architektur, etwa in seinen New-York-Bildern, schrumpft auf Modellgröße, die Figuren verwandeln sich in Märklin-Männchen. So etwas Martialisches wie der Appell der New Yorker Polizeischüler wirkt geradezu putzig, selbst im Großformatabzug von 90 mal 110 Zentimetern. Und mitten in der New Yorker Hochhausarchitektur entdeckt man beim genaueren Hinsehen im Bildzentrum eine winzige Sonnenanbeterin im Liegestuhl – ein Bild, das schon das Klischee von der imposanten New Yorker Architektur zu reproduzieren drohte, erhält einen überraschenden ironischen Dreh.

Gaál zählt zur Garde junger finnischer Fotografen, die seit zwei Jahren auf dem Kunstmarkt reüssiert. Wie seine Kollegen Jyrki Parantainen, Niko Luoma, Santeri Tuori und Ola Kolehmainen, die in Berlin alle von der Galerie sphn vertreten werden, studierte er an der Hochschule für Kunst und Design in Helsinki, wo die Studenten neben einer handwerklichen Ausbildung auch ein solides Rüstzeug in Sachen Selbstvermarktung erhalten – ein entscheidender Faktor für den Erfolg der „Helsinki School“.

Anders als seine Kollegen hat Gaál zunächst Grafikdesign studiert. Er ist ein Spätentwickler – und zudem ein langsamer Bildproduzent. Zum Leidwesen seiner Galeristen, die inzwischen eine Warteliste für seine Arbeiten führen. Kein Wunder, sind diese zu Preisen zwischen 4500 bis 6800 Euro (Auflage von 5) noch vergleichsweise günstig. Der Künstler kann derweil fast im Monatsrhythmus zu seinen Vernissagen zwischen Mailand, Emden, Albuquerque und Stockholm reisen. Das Berliner Publikum wird die finnische Fotografenschule übrigens im Herbst besser kennen lernen können. Die Schau „Helsinki School“ im Künstlerhaus Bethanien wird nicht weniger als 30 Positionen umfassen.

Galerie sphn, Koppenplatz 6, bis 4. Juni; Dienstag bis Sonnabend 12–18 Uhr

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