Die NS-Auktion in München : Nur für Eingeweihte

Wer sind die Leute, die Hitlers Socken oder Görings Lederhandschuhe ersteigern wollen? Unser Autor hat sich zum braunen Markt begeben.

von
Hitler und Göring nach der Machtübergabe am 30. Januar 1933. Ihre Privatsachen sind jetzt versteigert worden.
Hitler und Göring nach der Machtübergabe am 30. Januar 1933. Ihre Privatsachen sind jetzt versteigert worden.Foto: dpa

Wie ein Geheimkommando wirkt diese Auktion, bei der am Samstag in München NS-Devotionalien unter den Hammer gekommen sind – darunter Görings Unterhose und Hitlers Socken. Ein Türsteher hat sich vor dem unscheinbaren Eingang des Auktionshauses Hermann Historica aufgebaut und befragt potenzielle Auktionsteilnehmer. Historisch interessiert? Sammler? Er holt Franz Hermann her, den Mitbesitzer des Hauses. Der fragt, was man denn sammle. Postkarten. „Nein, kein Zutritt.“ Einem anderen Interessenten hält er vor: „Ich kenne Sie gar nicht.“

Genau: Man kennt sich auf diesem grauen, eigentlich braunen Markt und will unter sich bleiben. Viel Kritik hat es vorher ja gegebenvon Charlotte Knobloch, der ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, vom Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter, von Wissenschaftlern und Ausstellungsmachern. Sie verlangen, dass das NS-Material den Dokumentationszentren und Gedenkstätten gratis überlassen werden sollte – und nicht Geld damit gemacht wird.

Wer keine Empfehlungsschreiben hat, wird abgewiesen

Dass es den Schmuddel-Markt der NS-Trophäenjäger gibt, zeigt nicht nur der Ausstellungskatalog. Auch das Geschehen rund um das Auktionshaus belegt es. Ein Ehepaar mittleren Alters wird sofort hereingelassen. Von anderen werden Empfehlungsschreiben oder Dokumente verlangt, die eine wissenschaftliche Tätigkeit bezeugen. Wer keine hat, wird abgewiesen. Zwei junge Japaner mit langen Haaren, Baseballkappen und hippen Klamotten kommen mit dem Katalog unter dem Arm ohne Problem herein – offensichtlich sind sie Abgesandte eines reichen NS-Devotionalensammlers. „No comment“, sagen sie auf Fragen. Auch Auktionator Hermann schweigt. Wie viele Interessenten sind da? Wie viele davon sind Vertreter von seriösen Museen? „Dazu sage ich nichts“, meint er.

München leuchtet nicht an diesem Tag und Ort, es stinkt. Laut einer Internetplattform gab es schon vor Auktionsbeginn drei Gebote für Hitlers Socken über 500 Euro. Gleiches gilt für Görings Lederhandschuhe und ein Röntgenbild von Hitlers Kopf.

3 Kommentare

Neuester Kommentar