Kultur : Die Oper bleibt

Wie die Koalition in Berlin die Kultur verhandelt

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Kultur zuerst. Bei den gestrigen Berliner Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und PDS stand die Kultur neben den Bereichen Arbeit und Frauen sowie Gesundheit und Soziales keineswegs am Ende der Tagesordnung: Gleich am Vormittag kam die Opernstiftung zur Sprache, die Koalitionspartner bekannten sich zu den finanziell bedrängten Musiktheatern der Stadt. Keines der drei Häuser soll zur Disposition gestellt werden, auch wenn erneut an den Bund appelliert wird, er möge die Staatsoper in seine Verantwortung übernehmen. „Wir werden noch einmal an den Bund herantreten und hartnäckig und zügig verhandeln“, sagte SPD-Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer am Montagabend. „Im Augenblick“ habe das Land keine Möglichkeit, 50 Millionen Euro für die Sanierung der Staatsoper bereit zu stellen.

Die Opernreform soll bis 2009 abgeschlossen sein. Generaldirektor Michael Schindhelm ist aufgefordert, Vorschläge für die Umsetzung der geplanten Kürzungen zu machen. Dabei einigten sich SPD und PDS darauf, für eine gemeinsame Verwaltungsdirektion bei drei unabhängigen Generalintendanzen zu votieren.

Insgesamt soll der Berliner Kulturbetrieb vor schweren Einschnitten bewahrt und das Kulturbudget auf dem bisherigen Niveau festgeschrieben werden. „Der Kulturetat bleibt konstant“, sagte Junge-Reyer. 90 000 Arbeitsplätze gebe es in den Kulturbetrieben. Wolfgang Brauer, kulturpolitischer Sprecher der PDS, sagte dem Tagesspiegel: „Seit 15 Jahren hat die Kultur in Berlin ihren Beitrag zum Sparen geleistet, die Schmerzgrenze ist schon fast überschritten. Wer der Kultur jetzt noch etwas rausschneiden will, muss sagen, was geschlossen werden soll.“

Kultur soll Schule machen: Beide Parteien betonen die Bedeutung der kulturellen Bildung, in den Schulklassen wie außerschulisch, insbesondere bei der interkulturellen Arbeit. SPD und PDS wollen die kulturelle Bildung in den Kitas und Schulen verstärken und Kooperationen zwischen Bildungseinrichtungen und Theatern, Museen und Künstlern fördern. So soll der Zugang zur Kultur für sozial Schwache oder für Jugendliche erleichtert werden, etwa über flexiblere Eintrittspreisregelungen. Und Kultur soll Kasse machen, über die Kulturwirtschaft und den Tourismus der Hauptstadt. So könnten Arbeitsplätze im Kultursektor in das Programm für den öffentlichen geförderten Arbeitsmarkt aufgenommen werden.

Bleibt die Personalfrage. In der zweiten Wochenhälfte werden die Ressortzuschnitte festgelegt. Wird Thomas Flierl sein eigener Nachfolger? Oder wandert die Kultur in die Senatskanzlei ab? Antworten am Wochenende. sib/chp

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