Kultur : Die Präsentierteller

Fürstenhäuser wetteiferten auch ums schönste Porzellan: Die Bestände Friedrichs des Großen sind jetzt im Kunstgewerbemuseum Köpenick zu sehen.

Tomasz Kurianowicz
Sag’s mit Blumen. Teile aus dem „Breslauer Service“ der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Die Stücke nach Entwürfen von Friedrich Elias Meyer wurden 1767 für das Breslauer Stadtschloss bestellt. © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum / Foto: Stefan Büchner
Sag’s mit Blumen. Teile aus dem „Breslauer Service“ der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Die Stücke nach Entwürfen von...

Der Preußenkönig Friedrich der Große war nicht nur ein begnadeter Feldherr, Musiker, Philosoph und Aufklärer, sondern auch – was weitaus weniger bekannt ist – ein gerissener Unternehmer: Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) ließ er seine Truppen die Porzellanmanufaktur in Meißen besetzen – und machte sich das dortige Know-how zu eigen, um anschließend in der Heimat Berlin eine eigene Manufaktur zu eröffnen.

Johann Ernst Gotzkowsky sollte der erste Leiter sein. Doch schon bald geriet das Unternehmen in Schwierigkeiten, so dass sich Friedrich gezwungen sah, die Produktionsstätte zu verstaatlichen und in „Königlich Preußische Porzellanmanufaktur“ umzubenennen. Obwohl die Manufaktur auch in den Folgejahren viel Geld verschlang, hat sich der Einsatz gelohnt: Bis heute gilt das Unternehmen als Garant für herausragende Qualität und ästhetischen Anspruch.

Das Kunstgewerbemuseum im Schloss Köpenick, das zu den Staatlichen Museen zu Berlin gehört, zeigt jetzt eine Auswahl jener Porzellane, die Friedrich der Große speziell für seine Schlösser anfertigen ließ. Bei den Fest- und Dessertservices handelt es sich keineswegs um Massenware jener Zeit, sondern um individuell gestaltete Kunstwerke, die je nach Gebrauchszweck und Einsatzort extra angefertigt wurden. Auf diese Weise wird Friedrichs innige Beziehung zum „Weißen Gold“ verständlich: Für ihn waren die Services kein dekoratives Beiwerk, sondern – nachgerade philosophisch – ein Symbol für die Zerbrechlichkeit der Welt. Und mit entsprechendem Hintersinn verschenkte er die teuren Porzellane gern an Staatsgäste und Freunde.

Die Schau „Porzellane für die Schlösser Friedrichs des Großen“ umfasst das Vierteljahrhundert von der Gründung der Berliner Manufaktur 1761 bis zu Friedrichs letzten Lebensjahren. Auf diesem Weg lässt sich die Entwicklung des preußischen Stils nachvollziehen: Auf den ersten Porzellanen sind noch ländliche Idyllen und bunte Naturszenarien verewigt – beispielsweise auf dem Potsdam’schen Service, das 1765 eigens für das Neue Palais hergestellt wurde. Die Motive, die man auf den dekorativen Tellern und geschwungenen Hauben erkennen kann, fallen noch arg verspielt und ornamental aus.

Dagegen wirken die Motive aus der Folgezeit viel schlichter und auch eindeutig anspielungsreicher. Das belegt unter anderem das „Breslauer Service“ (1767), das Friedrich der Große nach der Besetzung Schlesiens für das neue Schloss in Breslau bestellte. Der Dekor zeichnet sich durch klare Formen und dezente Muster aus. Außerdem kann man Szenen aus der griechischen Mythologie erkennen – ein Beweis für Preußens Hinwendung zum klassischen Stil.

Die Präzision der handgefertigten Services ist verblüffend. Der beträchtliche Qualitätsanspruch lässt sich auf die historischen Umstände zurückführen, schließlich kam es damals zwischen den Königshäusern zu regelrechten Wettkämpfen um die aufwendigsten und schönsten Gedecke. Das erklärt auch den hohen Aufwand, den Friedrich in die Produktion selbst investierte: Die Herstellung von Schuppenmosaiken, durchbrochenen Feldern am Rand, fein gefertigten Figuren und aufwendig geformten Flächen war nicht nur kostspielig, sondern auch eine Art Kür und Kräftemessen in der Gestaltung prunkvoller Porzellane. Friedrichs Berliner Manufaktur – und das gilt auch aus heutiger Sicht – lief hierbei zur Höchstform auf.

Die Services sind aber nicht nur aus historischer Perspektive interessant. Sie funktionieren auch als Momentaufnahme der friderizianischen Ästhetik. Bei der Herstellung der Muster orientierte sich die Berliner Manufaktur am Innendekor der neu errichteten Schlösser. Wer die Ausstellung in chronologischer Folge abschreitet, erlebt letztlich eine kunsthistorisch durchaus radikalische Wende, die vom verspielten Rokoko bis hin zum strengen Klassizismus führt. Insofern bildet diese Ausstellung, da mag sie ein scheinbar noch so marginales Forschungsfeld ausleuchten, einen wichtigen Beitrag zum Kunstverständnis von Friedrich dem Großen und Preußens facettenreicher Geschichte.

Bis 28. Oktober, Kunstgewerbemuseum Köpenick, Schlossinsel 1.

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